Therapie:

  Konzept         
 
Fassung 11/2014

 


Die Einrichtung

Zielgruppe

Therapiedauer

Aufbau und Verlauf der Begleitung

Das vierstufige Therapieprogramm mit seinen einzelnen Zielen

Mitarbeiter

Qualitätsmanagement und -sicherung

Anlage zur Begleitung an der Eichendorfer Mühle aus logotherapeutischer Sicht

   
   
 

Die Entstehungsgeschichte und das Leitbild

Im Jahre 1984 schloss sich eine kleine Gruppe mit dem Gedanken zusammen, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung neu wertschätzend begegnet werden kann und an dem sie neue Strukturen für sich aufbauen können. Das Leben in einer haltgebenden Gemeinschaft bietet für sie einen Schutzrahmen. Hier können sie sich entfalten und lernen, in einem selbstbestimmtes Leben neu zu leben. Nach vielen Jahren der ehrenamtlichen Basis wurde schließlich ein Konzept eingereicht. Diese therapeutische Arbeit wurde als eine sozialtherapeutische Einrichtung anerkannt und bis heute weiterentwickelt.

Die Begleitung von Menschen versteht sich hier nicht als ein Erziehen und Belehren, sondern als ein Ansprechen des Betroffenen auf seine Freiheit und seine Verantwortung hin.

Mit diesem Leitgedanken stützt sich die Therapie auf die Erkenntnisse der Logotherapie nach Viktor Frankl. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möchten den Bewohnerinnen und Bewohnern zur Seite stehen bei dem Versuch, TROTZ ihrer Abhängigkeitserkrankung wieder oder erstmals ein zufriedenes Leben zu führen.

Das Menschenbild des Begleitens prägt die gesamte Therapie und die eingesetzten Methoden. Da der überwiegende Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Einrichtung den eigenen Lebensinhalt im christlichen Glauben gefunden hat, spiegeln sich das biblische Menschenbild und biblische Werte auch in deren Haltung und im gemeinsamen Therapiealltag wider. Das bedeutet, dass besonders auf eine respektvolle und wertschätzende Haltung gegenüber den verschiedenen Lebenserfahrungen im gemeinsamen Therapiealltag Wert gelegt wird.


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Die Einrichtung

  Lage

Die sozialtherapeutische Einrichtung des Eichendorfer Mühle Brandenburg e.V. liegt 50 km südöstlich von Berlin im Naturpark Märkische Schweiz im Ortsteil Hermersdorf der Stadt Müncheberg. Sie ist mit dem Auto über die B1/B5 von Berlin Richtung Frankfurt/Oder bis Müncheberg zu erreichen und von dort bis Hermersdorf. Mit der Regionalbahn dauert es vom 3 km entfernten Bahnhof im Nachbarort Obersdorf 45 Minuten bis Berlin Lichtenberg. Die Kleinstadt Müncheberg liegt 8 km entfernt und ist häufiges Anfahrtsziel für Einkäufe, Arztfahrten oder Bürgeramtstermine. Der Kurort Buckow (Märkische Schweiz) ist 8 km entfernt und bietet neben einem großen See ein kleines Kino, Restaurants und Künstlerateliers mit unterschiedlichen Ausstellungen.


Die Ausstattung

Die Einrichtung besteht aus dem "Therapiehaus Hermersdorf" und dem etwa drei Kilometer von Hermersdorf entfernt liegenden Wassermühlengelände, das der Eichendorfer Mühle den Namen gegeben hat. Ebenso gibt es mehrere Wohnungen, die zeitweise zum Probewohnen während der Therapie angemietet werden, sowie ein Sägewerk und verschiedene Werk- und Lagerstätten.

Im Therapiehaus Hermersdorf befinden sich die Räumlichkeiten für zwei Wohngruppen mit insgesamt 24 Einzelzimmern und entsprechenden Sanitäreinheiten. Für Frauen sind die Zimmer mit je einem eigenen Bad mit Dusche oder Badewanne eingerichtet.

Es gibt zwei Aufenthaltsräume, drei Teeküchen, die Zentralküche und den zentralen Speiseraum. Darüber hinaus gibt es einen Gruppenraum für Kleingruppen. Zu bestimmten Zeiten stehen ein PC mit Internetzugang und ein Telefon für die Bewohnerinnen und Bewohner zur Verfügung.

Zu den Therapieräumen zählen auch mehrere externe Wohngemeinschaften für je zwei oder drei Personen oder für eine Einzelperson. Die Wohnungen finden sich sowohl in Hermersdorf als auch in nahe gelegenen Orten, sodass das Therapiehaus gut zu erreichen ist.

Auf dem Gelände des Therapiehauses befinden sich weiterhin Haus- und Wirtschaftsgebäude mit einem Freizeitraum, einem Fitnessraum sowie verschiedenen Werkstätten und einem Fahrradraum. Im nahen Außenbereich vom Gelände des Therapiehauses befindet sich in ca. 500 m Entfernung ein Sägewerk für den Beschäftigungsbereich, eine Tischlerei und Kreativräume, in denen traditionelle Handwerkstechniken wie Flechten, Filzen, Spinnen, Papierschöpfen, Keramikarbeiten und Specksteinbearbeitung erprobt werden können.

An der Eichendorfer Mühle gibt es auf dem rund 10.000 m² großem Gelände einen Nutzungsvertrag für eine weitere Werkstatt, Stallgebäude, ein Gewächshaus und einen großen Garten sowie einen Aufenthaltsraum mit Bad.

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Zielgruppe

In der sozialtherapeutischen Einrichtung werden Menschen, die unter ihrer Abhängigkeit, vorranging Alkohol, leiden und denen Hilfe nach §§ 53, 54 SGB XII zusteht, begleitet. Es können Männer und Frauen aufgenommen werden. In Ausnahmefällen ist auch eine Aufnahme von Paaren möglich.

Außerdem besteht hier im Besonderen die Möglichkeit zur Aufnahme mit Hund oder Kleintieren. Die Tiere können mit ihren Besitzern gemeinsam in extra dafür vorgesehenen Zimmern unterkommen.

Durch Umgestaltungen in unserem Haus ist das Erdgeschoss barrierefrei zugänglich. Auf dieser Ebene wurde ein behindertengerechtes Bewohnerzimmer mit Bad eingerichtet.

Auch Menschen mit einem hohen Grad an Begleiterkrankungen (Komorbidität) und Menschen mit Doppeldiagnosen können aufgenommen werden, ebenso Personen nach oder direkt in Anschluss an Haftaufenthalte.

Menschen mit akuten Psychosen oder akuter Suizidalität können nicht aufgenommen werden. Dies gilt auch für Personen, die nach §§35, 36 BtMG Therapie statt Strafe eine Unterbringung suchen. Dies gilt auch für alle weiteren Formen von Unterbringungen mit freiheitsentziehenden Maßnahmen.

Grundsätzliche Voraussetzungen für eine Aufnahme sind:

·        Volljährigkeit,

·        die freie Entscheidung für die Therapie,

·        der Wille zur Abstinenz von den entsprechenden Suchtmitteln,

·        die Anerkennung des Therapierahmens mit der Hausordnung und

·        die Zusage der Kostenübernahme vom zuständigen Kostenträger, 
             im Regelfall dem überörtlichen Träger der Sozialhilfe oder sofern erforderlich,
             eine abgeschlossene Entgiftung und eine Entwöhnungsbehandlung.

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Therapieziel

Das Ziel der Begleitung besteht darin, dass Menschen trotz ihrer Abhängigkeitserkrankung ihr Leben sinnvoll erfahren und gestalten können. Über das Mittel der zufriedenen Abstinenz soll der betroffene Mensch wieder, oder erstmals, selbst in Freiheit und Verantwortung dauerhaft ein sozial orientiertes Leben führen.
Es wird besonders auf angemessene Umgangsformen im Zusammenleben und dem Umgang mit anderen Menschen in der Gemeinschaft Wert gelegt. Außerdem orientieren wir uns auf Ordnung und Sauberkeit im persönlichem Bereich, an der achtsamen Gesundheitspflege und dem bewussten Leben in der Umwelt. Durch eine so gestaltete Beziehung soll die relative Selbständigkeit der Bewohnerin oder des Bewohners wieder hergestellt werden.


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Therapiedauer

Die Therapiedauer richtet sich nach der Ausprägung der Erkrankung und der Persönlichkeit der Bewohnerin oder des Bewohners. Sie beträgt nach den Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte zwischen 3 und 24 Monaten. Die Erfahrungswerte zeigen, dass durchschnittlich mit einer Therapiedauer von etwa 18 Monaten zu rechnen ist. Im Einzelfall ist eine Verkürzung bzw. Verlängerung in enger Absprache mit den Kostenträgern möglich.

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Aufbau und Verlauf der Begleitung

Als Grundlage gilt ein genereller Hilfebedarfsplan. Um einer ressourcenorientierten Grundhaltung gerecht zu werden, steht zu Beginn der Begleitung das Aufzeigen von Stärken und Fähigkeiten der Bewohnerin oder des Bewohners im Vordergrund. Ein individueller Therapieplan wird am Ende der Eingewöhnungsphase zusammen mit der Bewohnerin oder dem Bewohner aufgestellt und in regelmäßigen Einzelgesprächen und Einschätzungen in den Mitarbeiterbesprechungen auf seine Stimmigkeit hin geprüft.
Neben den Anfangserkenntnissen fließen hier vor allem Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Zusammenleben in der Wohngruppe, dem gewählten Verantwortungsgebiet und aus der Auseinandersetzung mit den Strukturen des Zusammenlebens ein.

Das Leben in der Therapiegemeinschaft

Das Leben der Therapiegemeinschaft bietet allgemein einen suchtmittelfreien, vertrauensvollen, stabilisierenden und anregenden Rahmen für die soziale Langzeitrehabilitation von Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung. Hier werden sie in einem suchtmittelfreien Leben gestärkt und gefestigt.
Dieses Miteinander vermittelt Sicherheit und ermöglicht es der Bewohnerin und dem Bewohner, sich in einem geschützten Rahmen zu Hause zu fühlen.

Durch das Freilegen und Stärken des eigenen Wollens und Könnens werden der Abhängigkeit von Stimmungsschwankungen, anstrengungsfreiem Lustempfinden und Fremdbestimmung etwas Lebenswertes entgegengesetzt.
Die Übernahme von Verantwortung in der Gemeinschaft, sinnvolle Beschäftigung, Gruppengespräche zur Lösung von Schwierigkeiten sowie in Beziehung zu treten und kreative Angebote zu nutzen, bauen die gesunden Persönlichkeitsanteile aus und verbessern die weitere Lebensgestaltung.
Psycho-soziale Beeinträchtigungen können überwunden werden, indem die Aufmerksamkeit immer wieder auf die noch verbleibenden Möglichkeiten der Bewohnerin oder des Bewohners gelenkt wird.
Die Erfahrung zu Solidarität, Hilfsbereitschaft, Glaube, eigenen Ideen und Ordnung fähig zu sein, stärkt das Bewusstsein, Freiräume zu haben. Neue positive Erfahrungen motivieren, nun neue Möglichkeiten der Beschäftigung und Freizeitgestaltung zu entdecken.
Die eigenen unterschiedlichsten Gefühle und Gefühlsschwankungen und die Konfrontation mit denen der anderen Bewohnerinnen und Bewohnern werden täglich lebensnah erfahren. Der Umgang mit dieser Erfahrungsmöglichkeit wird von den Mitbewohnern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angefragt und wird so zu einer konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Alltäglichen.

Durch sinnvolle Beschäftigung im Gartenbereich, der Holzaufbereitung für unsere Holzheizungen, in der Bautruppe, dem Sägewerk, der Tischlerei, der Tätigkeit in der Küche und im gesamten Haushaltes bis hin zur Übernahme von verantwortlichen Aufgaben im gesellschaftlichen Umfeld (Nachbarschaft, im Sozialraum des Dorfes), wird der Zusammenhang zwischen eigener Verantwortung, dem eigenen Können und der Lebensqualität erlebbar (Schöpferische Werte). Durch die Erfahrung des eigenen Könnens und des tatsächlichen Gebrauchtwerdens wächst das Verlangen, gesund und leistungsfähig zu werden und zu bleiben.

Um der Bewohnerin oder dem Bewohner einen Freiraum zu zeigen, der selbst bei schwerer schicksalhafter Belastung offen steht, werden Gruppen- und Einzelgespräche, Seelsorge und Andachten angeboten (Einstellungswerte).

Durch bewusstes Gestalten der Freizeit und von Festen bieten sich Möglichkeiten, gemeinsam Schönes und Wertvolles zu erleben (Erlebniswerte).

Die Verwirklichung dieser Werte stellt die praktische Umsetzung der Logotherapie dar, die wir als Grundlage der Therapie nutzen.

Unterschiedliche Wohnformen

Wir können unseren Bewohnerinnen und Bewohnern je nach individuellem Bedarf, der Therapiestufe und den persönlichen Therapiezielen und nach Kapazität unterschiedliche Wohnformen anbieten.
Eine Wohnform ist das Wohnen in der Wohngruppe im Therapiehaus, wo jede Bewohnerin oder jeder Bewohner in Einzelzimmern untergebracht ist und gemeinschaftlich versorgt wird. Es gibt eine Küche für die Vor- und Nachbereitung der Mahlzeiten, gemeinsame Freizeit- und Fernsehräume und für die Bewohner gemeinschaftlich genutzte Sanitäreinrichtungen. Für unsere Bewohnerinnen stehen in dieser Wohngruppe Zimmer mit je einem eigenen Bad zur Verfügung.
Eine weitere Wohnform ist speziell für die Aufnahme mit Hund vorgesehen. Diese Zimmer befinden sich im Seitenflügel des Hauses oder in Außenwohnungen. Das Tier kann darin mit der Besitzerin oder dem Besitzer zusammen im Wohnraum leben. Hier stehen ebenfalls gemeinsame Kleinküchen und Sanitäreinrichtungen zur Verfügung.
Durch die Einrichtung eines Zimmers mit barrierefreiem Bad ist auch die Aufnahme einer Person mit einer schweren Gehbehinderung möglich.

Außerdem besteht die Möglichkeit, nach einer gewissen Therapiezeit in vorübergehend angemieteten Wohnungen auf Probe zu wohnen, sofern dies als Ergebnis des individuellen Hilfeplans sinnvoll oder gar geboten erscheint. Nach einer Zeit der Stabilisierung können dann Bewohnerinnen oder Bewohner in Wohngemeinschaften zu je 2 Personen oder in Einzelwohnungen verlegt werden. Unter Umständen verlegen wir in diese Wohnform auch Bewohnerinnen oder Bewohner, die aufgrund individueller Lebenserfahrungen für die Begleitung in den anderen Wohnformen nicht in Frage kommen.

In dieser Wohnform wird das eigenständige Leben unter wirklichkeitsnahen Bedingungen geübt. Dies ist gerade auch für Betroffene wichtig, die schon sehr lange nicht mehr oder noch nie einen eigenen Haushalt führen konnten. Der Therapiealltag gestaltet sich dabei wie bei den anderen Bewohnerinnen und Bewohner mit enger Anbindung an das Therapiehaus und die vorgegebenen Abläufe. Gleiches gilt für den jeweiligen Beschäftigungsbereich. Diese Wohnform mit ihren Modalitäten bietet so einen begleitenden Schutzrahmen und fördert die angestrebte selbstbestimmte Lebensführung.

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Das vierstufige Therapieprogramm mit seinen einzelnen Zielen

Die Bewohnerin oder der Bewohner durchläuft während des Aufenthaltes in unserer Einrichtung vier Therapiestufen. Das Erreichen einer neuen Stufe wird im therapeutischen Team individuell, unter Einbeziehung der Selbsteinschätzung der Bewohnerin oder des Bewohners, definiert.
Die so gewonnenen Erkenntnisse und damit einhergehende Möglichkeiten werden im Einzelgespräch im Detail angesehen, sodass auch hier Akzeptanz und Vertrauen gefördert werden. Der Therapieverlauf ist so angelegt, dass im Laufe des therapeutischen Prozesses die Eigenverantwortung und Selbstermächtigung stärker gefordert werden.

Stufe I

Sie umfasst die Probe und Eingewöhnungszeit. Ihre Dauer liegt bei durchschnittlich 4-6 Wochen.
Das Kennenlernen der Einrichtung und die Auseinandersetzung mit den Besonderheiten der Einrichtung stehen im Mittelpunkt. Das Erfragen der Gründe für eine Therapie ist ein weiterer Schwerpunkt in dieser Phase und soll die vorhandene Motivation abklären und stärken.
Eine wichtige Rolle spielt hierbei der Kontakt zu Bewohnerinnen und Bewohnern, die schon länger abstinent leben. Sie verstehen die neue Bewohnerin oder den neuen Bewohner in  ihrer/ seiner Problematik und können ihr durch Gemeinschaft Halt geben.

Schwerpunkte sind:

·        Kennenlernen der gesamten Einrichtung,

·        Teilnahme am Tagesprogramm,

·        Kennenlernen der Wohngruppe,

·        Auseinandersetzen mit den Besonderheiten des Lebens in der Einrichtung,

·       Aufbau einer vertraulichen Beziehung zwischen Bewohnerin/ Bewohner und Bezugstherapeutin/ Bezugstherapeut und

·       Abklärung der Beweggründe für eine Therapie.


Stufe II

Hauptinhalt dieser Stufe ist, das Selbsterkennen und Selbstannehmen zu lernen. Der Zeitrahmen liegt in dieser Stufe bei durchschnittlich 3-6 Monaten.

Das Herausarbeiten der eigenen Stärken und des eigenen Könnens stehen im Vordergrund, um den Selbstwert aufzubauen und zu festigen. Mit gestiegenem Selbstwert und gesteigerter Selbsterkenntnis fällt das Wahrnehmen und Achten der Würde der anderen und des anderen leichter. Es wird erlernt, diese „Sein zu lassen“. Erste persönliche Therapieziele werden entwickelt.

Schwerpunkte sind:

·        Sich Einleben,

·        Zur Ruhe kommen,

·        Verbindliche Teilnahme am Tagesprogramm,

·        Sich selbst erkennen und annehmen lernen,

·        Andere Menschen als eigene Persönlichkeiten wahrnehmen und achten,

·        Persönliche Ziele für die Therapie entwickeln,

·        Arbeits- und Leistungsfähigkeit trainieren,

·        Persönliche Hygiene und Sauberkeit im Wohnbereich umsetzen und

·        Bewusster Umgang mit der Hausordnung.

 

Stufe III

In der kontinuierlich fortgesetzten Annahme eines stabilen Selbstwertes geschehen die notwendige Aufarbeitung der Vergangenheit und die Aussöhnung mit ihr (Dauer durchschnittlich 3 bis 6 Monate).
Weitere wichtige Ziele sind, sich bewusst zu machen, dass zum Leben Kritik, Konflikte und Spannungen gehören. Diesen nicht auszuweichen, sie vielmehr auszuhalten, gilt es zu lernen.
Die Übertragung von mehr Eigenverantwortung für die Tagesplanung und Lebensgestaltung sind nun neue Schwerpunkte.
Es werden stabile Säulen für eine zufriedene Lebensführung aufgebaut. Hierzu zählt u. a. eine tragfähige, abstinente Gemeinschaft, sinnvolle Freizeitaktivitäten, das Bemühen um eine sinnvolle Tagesbeschäftigung, die Aussöhnung mit Angehörigen und Aufbau familiärer Beziehungen.
Je nach persönlichem Therapieplan kann die Verlegung in eine andere Wohnform vorgenommen werden.

Schwerpunkte sind:

·        Übernahme von Verantwortung im Bereich der sinnvollen Beschäftigung,

·        Lernen, mit Nähe und Distanz umzugehen,

·        Zwischen positiven und negativen Einflüssen unterscheiden lernen,

·        Durch Selbstdistanzierung mit Kritik, Konflikten und Spannungen zu leben,

·     Enttäuschungen überwinden, die Vergangenheit aufarbeiten und sich mit ihr aussöhnen und

·        Ein positives Selbstwertgefühl entwickeln.

Stufe IV

In der letzten Stufe geht es um die Vorbereitung der Ablösung von der stationären Einrichtung (Dauer: ca. 3 bis 5 Monate).
In dieser Stufe sind beispielsweise die Einbindung in Maßnahmen zur Förderung der Arbeitsfähigkeit, wie ein begleitetes Praktikum oder Umschulungsmaßnahmen möglich.
Das Ziel der Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt bleibt für viele, auf Grund eigener Beeinträchtigungen und vor allem wegen der schier aussichtslosen Lage auf dem Arbeitsmarkt, nur eine Wunschvorstellung.
Hat die Bewohnerin oder der Bewohner ihre/ seine Ich-Bezogenheit überwunden, wird sie/er im neuen Umfeld eine Tätigkeit finden, die, wenn auch keine finanzielle Unabhängigkeit, so doch die Verwirklichung schöpferischer Werte bringen kann. Eine solche Erfahrung wiederum kann vor einem Zurückfallen ins Sinnlosigkeitsempfinden bewahren.

Die Feststellung Frankls „...dass der Mensch von heute alles hat, wovon er leben kann, aber zu wenig wofür es sich lohnt zu leben…“ (Frankl 1999/S.18) trifft heute noch genauso zu wie damals. Sich der eigenen Situation offen zu stellen und zu fragen:

‚Was kann ich hier tun? Was erwartet das Leben von mir?‘ hilft, ins sinnvolle Leben einzusteigen.
Das Ziel der selbstbestimmten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben endet nicht mit Abschluss der Sozialtherapie. Nach Bedarf wird zum Therapieende die Bewohnerin oder des Bewohners ein fließender Übergang in die eigene Wohnung, in die ambulante Nachbetreuung durch aufsuchende Sozialarbeit oder eine Vermittlung in wohnortnahe Gruppenangebote vorbereitet.

Schwerpunkte sind:

·        Eigenverantwortliche Tagesgestaltung,

·        Ehrliche Selbsteinschätzung,

·        Zuverlässigkeit und Selbstdisziplin leben,

·        Eigene Sinnmöglichkeiten erkennen und umsetzen,

·      Konkrete Schritte zur Verwirklichung der eigenen Zukunftsplanung gehen (Leben  der  erkannten Ziele und Werte),

·        Ausreichende Versuchungstoleranz Suchtmitteln gegenüber leben,

·    Aufbau und Einleben in das neue soziale Umfeld (Wohnungs- und Beschäftigungssuche),

·        Belastungsheimfahrten, Praktika in Betrieben,

·        Kontakt zur Selbsthilfegruppe, sozialen und behördlichen Stellen aufnehmen und

·        Renovierung und Wohnungseinrichtung organisieren.


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Angebote der Begleitung

Jeder Bewohnerin und jedem Bewohner steht eine Vielzahl von Angeboten zur Verfügung, die beim Aufbau einer zufriedenen Abstinenz helfen sollen. Diese finden sich im gemeinsam erarbeiteten Wochenplan wieder. Die Teilnahmebereitschaft und die aktive Beteiligung werden dokumentiert und ergeben ein Gesamtbild von der Entwicklung der Persönlichkeit der einzelnen Bewohnerin oder des einzelnen Bewohners. An Hand der gewonnenen Erkenntnisse wird der persönliche Therapieplan überprüft und, wo nötig, korrigiert.

Die Großgruppe

Montag bis Freitag trifft sich um 7:30 Uhr die Großgruppe. Sie besteht aus allen anwesenden Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Bei logotherapeutischer Ausrichtung geht es hier um Besinnen, um so Sinnmöglichkeiten zu erkennen und sie dann auch umzusetzen. Bei diesem täglichen Nachdenken werden allgemeine Werte vorgestellt. Eine neue Erfahrung für viele Bewohnerinnen und Bewohner ist dabei, dass nicht wenige der allgemeinen Werte auf christlichen Werten beruhen, was zum Teil an biblischen Beispielerzählungen deutlich gemacht wird.
Hier werden auch Termine und Aktivitäten der Woche gemeinsam besprochen und geplant. Belange, die alle Bewohnerinnen und Bewohner betreffen, werden thematisiert und diskutiert.
Weitere praktische Bedeutung hat die Großgruppe für eine zielorientierte Einübung einer Tages- und Wochenstruktur.

Die Kleingruppe

Jede Bewohnerin und jeder Bewohner ist in eine Kleingruppe von etwa 5-7 Personen eingebunden, die sich wöchentlich zu einer Sitzung trifft. Hier kommt es zu Rückmeldungen von Konflikten und Problemen des Zusammenlebens und es wird versucht, diese zu bearbeiten.
Für die Kleingruppen gibt es eine Themenvielfalt, die suchtspezifische Probleme wie Rückfallvorsorge, Kriseninterventionen, Notwendigkeit von Selbsthilfegruppen und das Erarbeiten von Notfallplänen sowie Themen wie Umgang mit Aggressionen und Ängsten, Entwicklung von Konfliktlösungsstrategien und Partnerschaftsfragen behandelt.
Einige Bewohnerinnen und Bewohner sind so stark von jahrelangem Konsum gezeichnet, dass ihre Denk- und Merkfähigkeit stark abgenommen hat. Um diese wieder zu trainieren und anzuregen, bieten wir speziell das Kleingruppenangebot „Gedächtnistraining“ an.

Das Einzelgespräch

Diese Gespräche unter vier Augen sind fester Bestandteil in der Begleitung und finden je nach Bedarf statt, jedoch mindestens einmal in 14 Tagen. Ein bestimmtes festes „Setting“ gibt es dafür in unserer Einrichtung nicht.
Viele unserer Bewohnerinnen und Bewohner haben die Fähigkeit verloren, sich unbefangen zu äußern.
Zu oft wurden sie schon befragt und glauben zu wissen, was die Begleiterin oder der Begleiter hören will. Es ist erstaunlich, was schon im ersten „ offiziellen Gespräch“ an logotherapeutischen Merksätzen zu hören ist. Die Sprache der Bewohnerinnen und Bewohner ist nicht selten „verformt“. Im Gegensatz dazu bringen gerade die zwanglosen Gespräche, die beim Abwaschen, Holzhacken oder bei Gartenarbeiten geführt werden und in denen sich die Bewohnerinnen und Bewohner sicher und unbefangen fühlen, ihre wirklichen Anliegen und Probleme ans Licht und ins Bewusstsein.

Das Zentrum der Einzelgespräche fordert von der Begleiterin oder dem Begleiter „...ein wachsames Hinhorchen ohne jegliche Voreingenommenheit, möglichst auch nicht einer durch ein theoretisches System bedingte, zu erwarten. Das Gespräch muß sich von allem Erzwingerischen freihalten und auch, wie ich meine, ein Stück Geheimnis lassen können. Das, was verhüllt wird, die Person und Situation, die ausgelassen werden, sind ohne hin aufschlussreich genug“  (Schulte 1974/S.20).

Die Schilderungen von unvorstellbarem Leid, einem nicht mehr rückgängig zu machenden Schuldig-geworden-Sein der Bewohnerin oder des Bewohners berührt die Frage nach „Grund, Sinn und Ziel menschlichen Lebens“, auch bei der Begleiterin oder dem Begleiter.
Mit einem Teil der Bewohnerinnen und Bewohner behandeln wir im Gesprächsrahmen eine Existenzskala nach A. Längle. Sie gibt Aufschluss über Zufriedenheit, Verantwortung und Selbstwert einer Person. Beispielsweise stimmen viele der Bewohnerinnen und Bewohner der Aussage 34 dieser Existenzskala: „Es wäre besser, wenn es mich nicht gäbe“, angesichts des erfahrenen und auch angerichteten Leides, mit „ja das stimmt genau“ zu.
Diese Spannung muss ausgehalten werden. Die Begleiterin oder der Begleiter muss sich dessen bewusst sein, dass sie/er unter Umständen die einzige Person ist, „… der in dem Leidenden das Gefühl entbinden kann, dass er „mehr“ ist als sein Leiden und sein gegenwärtiges Scheitern.“
(Schulte 1974). Die Entbindung von diesen Gefühlen ist dringend notwendig, dass die Leidende oder der Leidende nicht im Leid steckenbleibt, sondern nach neuen Sinnmöglichkeiten suchen kann.

Im Einzelgespräch wird auch besonders die Kontaktaufnahme zu Angehörigen oder Freunden begleitet, um die Abhängigkeits-, Co-Abhängigkeits- und Abstinenzthematik bewusst zu machen. Ebenso hilft diese Begleitung nach belastenden Erfahrungen der Vergangenheit, die Kommunikation zu verbessern und gegenseitige Akzeptanz zu üben.

Krisenmanagement

Wenn ein Mensch entschieden ist, sich seiner Alkoholabhängigkeit zu stellen und nach Wegen in ein Leben zufriedener Abstinenz sucht, sieht er sich einer Fülle von neuen Gestaltungsaufgaben gegenüber. Hat bis dahin das Suchtmittel als Lebenshilfe gedient, müssen jetzt neue Verhaltensweisen und Handlungsstrategien gefunden werden.
Geprägt von vielen Enttäuschungen über sich selbst und andere, ist der Selbstwert stark herabgesetzt. Die Kritikfähigkeit ist ebenfalls so schwach, dass jede Anfrage schon als Infragestellung der gesamten Person erfahren wird und ein angemessenes Verhalten oft nicht möglich ist.
Auch der Umgang mit den eigenen Gefühlen wie Traurigkeit, Scham, Angst und Unsicherheiten, aber auch Freude, Glück und Verliebtsein machen vielen Bewohnerinnen und Bewohnern, gerade in der Anfangszeit, sehr zu schaffen.
Die Begegnung mit der Vergangenheit, oft ausgelöst durch bestimmte Gedenktage oder Begegnungen mit Menschen, zu denen noch ungeklärte Beziehungen bestehen, bringen das psychische Gleichgewicht stark ins Schwanken. Um der aufkommenden Hilflosigkeit nicht ausgeliefert zu sein, besteht die Möglichkeit, jederzeit kompetente Hilfe zu erreichen. Dazu können vertrauliche Krisengespräche erfolgen, die im therapeutischen Geschehen Vorrang haben. Im Notfall, etwa sofern keine Mitarbeiterin oder kein Mitarbeiter mehr im Haus ist, kann der Bereitschaftsdienst über das Notfallhandy angerufen und ggf. hinzugezogen werden.

Auch gibt es einen Notfallplan mit den entsprechenden Notrufnummern. Diese Nummern sind den Bewohnerinnen und Bewohnern bekannt und an den Telefonen im Therapiegebäude freigeschaltet.

In den ersten sechs Wochen wird mit jeder Bewohnerin und jedem Bewohner ein ganz persönlicher Notfallplan erstellt. Dieser Plan enthält neben allgemeinen Verhaltensregeln die Bereitschaftsnummer und den Namen und die Telefonnummer einer Person des Vertrauens, an den sich die Betroffene oder der Betroffene in einer für sie/ ihn ausweglosen Krisensituation wenden kann.

Sozialrechtliche Begleitung

Die soziale rechtliche Begleitung findet in Einzelterminen und je nach Bedarf der Person statt. Die Regelung der persönlichen sozial- rechtlichen Anforderungen steht hierbei im Vordergrund. Diese kann je nach Fähigkeiten der Bewohnerin oder des Bewohners verschiedenen Aufwand und Zeit in Anspruch nehmen. Bei anstehenden behördlichen Angelegenheiten werden Hilfen zur Stärkung und Stabilisierung eigener Ressourcen gegeben. Im Rahmen des Realitätstrainings sollen externe Beratungs- und Hilfsangebote genutzt werden.
Im Bedarfsfall erfolgt die Planung und Vermittlung in eine weiterführende Betreuungsform (z.B. Wohnheim, Betreutes Wohnen, ambulante Maßnahmen, Nachsorgevereine). Für einige bestimmte Belange wie z.B. die Auszahlung des Barbetrages sind feste Zeiten eingerichtet.

Schwerpunkte sozialtherapeutischer Assistenzangebote sind:

 

·        Pflege und Organisation des Kontaktes zu Angehörigen und gerichtlich bestellten Betreuerinnen und Betreuern,

·        Unterstützung bei der Geldeinteilung und bei Einkäufen,

·        Beratung und Unterstützung bei der Geltendmachung von Ansprüchen gegenüber Renten- und Krankenversicherungen, Arbeitsämtern, Sozialämtern, Wohngeldstellen, Versicherungen u.a.m.,

·        Begleitung während eines Krankenhausaufenthaltes,

·        Unterstützung in Justizangelegenheiten, z.B. bei Bedarf Ableisten von Sozialstunden organisieren, bei Fragen oder Fahrten zu Bewährungsauflagen vermitteln u.v.m.,

·        Individuelle Gestaltung persönlicher Fest- und Gedenktage,

·        Unterstützung bei der Wohnungsauflösung, -renovierung und –einrichtung,

·        Unterstützung bei der Suche nach einer Arbeit, Ausbildung, Umschulung oder einer anderweitigen sinnvollen Beschäftigung,

·        Vermittlung von Beratungsangeboten (Sucht-, Schuldner-, Ehe- und Familienberatung o.ä.) und

·        Unterstützung bei der Wohnungssuche.


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Arbeitstherapie und sinnvolle Beschäftigung

In den verschiedensten Arbeitsbereichen wird regelmäßiges, planvolles und kreatives Arbeiten unter Anleitung trainiert. Im Laufe der Therapie wird zunehmend Eigenverantwortung von der Bewohnerin und dem Bewohner gefordert. Im persönlichen Therapieplan (Wochenplan) sind konkrete Aktivitäten bestimmten Zeiten zugeordnet und bilden den kontinuierlichen Rahmen der Begleitung. Diese Kontinuität ist gerade in der Begleitung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen wichtig. Daraus erwachsen Sicherheit und Ausdauer.
In vielen Einrichtungen steht hier Arbeitstherapie oder auch Beschäftigungstherapie. Da beides die Besonderheiten unserer Einrichtung nicht genau trifft, haben wir den Begriff der sinnvollen Beschäftigung dafür gewählt. Denn in unserer Einrichtung geht es vor allem um die Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit, nicht die Tätigkeit um ihrer selbst willen, was die Bewohnerin oder der Bewohner auch selbst erkennen muss. Was sie/er nicht als sinnvoll empfindet, braucht sie/er nicht zu tun. Im Gespräch wird dann versucht, die guten Gründe für das Nicht-tun zu entdecken. Die offen gestellten Anfragen auf dem Boden des Vertrauens und der grundsätzlichen Anerkennung der Person holt sie in die Verantwortung. Nicht selten entdeckt sie in solchen Situationen von selbst, dass es die eigene Lustlosigkeit war, die sie geleitet hat. Ein gemeinsames Schmunzeln bewirkt in diesen Situationen dann oft genug erstaunliche Wunderleistungen und bewahrt vor übertriebener Gesetzlichkeit und vor Bevormundung.

Dies für sich selbst zu erkennen, bedarf aber eines inneren Wachsens. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen den Unterschied zwischen sich Rechtfertigen und sich Verantworten erlernen.
Ob ein Tun oder ein Nichttun sinnvoll ist, muss dabei jede und jeder für sich entscheiden.

Ein zweiter Grund für die Erweiterung des Begriffes der Arbeitstherapie durch den Zusatz von „sinnvolle Beschäftigung“ ist der relativ hohe Anteil an Bewohnerinnen und Bewohner, denen eine Erwerbsunfähigkeit beschieden wurde und die damit nicht mehr „arbeiten müssen“. Ihr Können bringen sie jedoch trotzdem mit ein, ohne unter Druck zu geraten. Es geht nicht darum, dass nur etwas getan wird, sondern darum, dass es die Bewohnerin oder der Bewohner zur eigenen Sache macht. Da die Auswirkungen der meisten Arbeiten unmittelbar im gemeinsamen Leben erfahrbar sind, beispielsweise bei der Essenzubereitung oder der Brennholzbereitstellung, ist auch eine unmittelbare Rückmeldung gewährleistet. Positive Rückmeldungen stärken dabei den Selbstwert und negative Rückmeldungen prüfen die Kritikfähigkeit.

Wir bieten Möglichkeiten der Arbeitstherapie und der sinnvollen Beschäftigung in unterschiedlichen Bereichen an. Die Bewohnerin und der Bewohner durchlaufen in der ersten Phase der Therapie die verschiedenen Arbeitsbereiche und wählen die für sie/ihn sinnvollste Möglichkeit aus. Dabei stehen verantwortliche Arbeitsbegleiterinnen und -begleiter zur Seite. Die Tagesbeschäftigung der Bewohnerinnen und Bewohner wird systematisch dokumentiert. In Hilfebedarfsbögen wird der entsprechende Unterstützungsbedarf der Bewohnerin oder des Bewohners erstellt und regelmäßig überprüft und wenn nötig, aktualisiert.

Folgende Arbeits- und Beschäftigungsbereiche bestehen

Die Anzahl der Personen in einem Bereich variiert, der Durchschnitt liegt bei 5 Personen. Außerhalb der Gruppen haben Bewohnerinnen und Bewohner eigenverantwortliche Tätigkeiten übernommen und werden hierbei vom verantwortlichen Begleiter unterstützt und hinterfragt.

Im Außenbereich und im Freien

Garten und Gewächshaus auf dem Mühlengelände:

·        Anbau , Pflege und Ernte von Gemüse und Feldfrüchten,

·        Pflege der Streuobstwiese, Obsternte,

·        Einlagerung der Ernte (Kartoffeln, Möhren),

·        Pflege des Kräutergartens und

·        Kreative Gestaltung des Gartens.

Werkstatt und Hof auf dem Mühlengelände:

·        Pflege und Instandhaltung der Flächen auf dem Mühlengelände und

·        Wartung der Außenanlagen, Geräte, Scheunen.

Wald:

·        Holzwerbung (Baumfällen und transportfähig Aufarbeiten) für die Holzgasheizanlage im Therapiehaus bzw. Nutzholzbereitstellung für unser Sägewerk und

·        Holztransport mit Traktor oder Fuhrwerk.

Sägewerk:

·        Holzaufarbeitung und -lagerung zur Trocknung (Spalten und Einstapeln),

·        Nutzholzbearbeitung im Sägewerk (Balken und Bretter herstellen) und

·        Anfertigung von Produkten aus dem gefertigten Rohmaterial unter Anleitung (Bau von Gartenmöbeln, Schutzhütten u.ä.).

Werkstätten für traditionelles Handwerk:

·        Holzbearbeitung in unterschiedlichen Facetten in der Tischlerei,

·        Aufbaukeramik und Gegenstände in der Töpferscheibentechnik,

·        Flechtarbeiten mit verschiedenen Materialien,

·        Metallbearbeitung und Emailliertechnik,

·        Arbeiten mit Textilien und Wolle,

·        Mal- und Zeichentechniken und

·        Kreativangebote mit unterschiedlichen Materialien.

An und im Therapiehaus

Großküche:

·        Die Kaltversorgung: Frühstück, Kaffee oder Abendessen vorbereiten,

·        Zuarbeit zum Kochen: Schälen und Putzen von Kartoffeln, Gemüse u.ä. zum Mittag,

·        Abwaschen, abtrocknen vom Mittagsgeschirr,

·        Tische und Stühle im Speiseraum reinigen,

·        Tägliche Bodenreinigung und

·        Unterstützung beim Einkauf der Nahrungs- und Hausmittel.

Hauswirtschaft:

·        Reinigung und Pflege der für alle gemeinschaftlich genutzten Räume und Flure,

·        Reinigung der Fenster und Türen undin den Gemeinschaftsbädern sind wechselnde Baddienste eingeteilt, an denen sich alle Bewohner beteiligen.

Außenanlage Therapiehaus:

·        Rasen- und Landschaftspflege,

·        Pflege der Verkehrswege, Gehwege,

·        Pflege der Gartenmöbel­,

·        Bereitstellung von Holz für die Heizung,

·        Bestückung der Heizung und

·        Koordinierung der Müllentsorgung.

Fahrradwerkstatt:

·        Kleinreparaturen,

·        Fahrradinstandsetzung und Instandhaltung und

·        Herausgabe und Annahme der Räder.

Unterstützung bei Einzügen und Umzügen.

Schwerpunkte der Arbeitstherapie und der sinnvollen Beschäftigung sind:

·        Das Erlernen von Zuverlässigkeit und Disziplin im geregelten Arbeitsablauf,

·        Die Entwicklung des Durchhaltevermögens,

·        Die Steigerung von Kooperationsbereitschaft und Konfliktfähigkeit,

·        Die realistische Einschätzung und Aufdecken, bzw. Wiederfinden der eigenen Fähigkeiten und wenn möglich die Steigerung der Leistungsfähigkeit durch konkrete Zielsetzungen,

·        Das Wahrnehmen von Erlebnisfähigkeit und

·     Das Entdecken einer Sinnerfüllung durch den materiellen sowie besonders auch durch den ideellen Wert der eigenen Arbeit.



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Freizeitgestaltung und Beziehungsangebote

Gab meist das Suchtmittel die Struktur des Alltags vor, haben viele Betroffene es verlernt, freie Zeit mit anderen Inhalten zu füllen und zufrieden zu gestalten. Sie bewusst und sinnvoll zu genießen, fällt ihnen schwer. Viele fühlen sich in der Freizeit von Langeweile bedroht. Dass sie sich auch anders als nur durch Arbeit ablenken können, soll die bewusste Gestaltung der freien Zeit zeigen. Im therapeutischen Prozess ist es notwendig, dass sinnvolle Gestaltungsmöglichkeiten von jeder Person selbst herausgefunden werden.

Die Freizeit in der Wohngruppe kann freier erlebt und gestaltet werden, weil sie weniger von zweckrationalen Aspekten bestimmt wird. Es wird aber auch die Sinnerfüllung bedeutsamer. Die Erfahrungen der Grenzen im täglichen Miteinander und der eigenen Freiheit werden hier konkret und positiv erlebbar.

Einige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung:

·        Teilnahme am Dartspielen,

·        Teilnahme am Kartenspiel, an Brett- oder Gesellschaftsspiele,

·        Nutzung des Fitnessraum bis hin zum Aufstellen eigener Sport- und Kraftpläne,

·       Erkundung der Umgebung: Radtouren oder Wanderungen durch die Natur, den Wald und die verschiedenen märkischen Seen,

·        Ausflüge in die umliegenden Kleinstädte oder ins Kino anregen und durchführen,

·       Organisieren von Sport- und Spielnachmittagen (Volleyball, Tischtennis, Fitness, Fußball) und Verfolgen von Sportereignissen,

·        Gemeinsamer Besuch der lokalen Fußballspiele,

·        Besuch der örtlichen Begegnungsstätte (Imbiss, Verkaufsladen) und von Dorffesten,

·        Organisieren und Durchführen von Grillnachmittagen und

·        Eigenverantwortliches Gestalten von Festen, gemeinsamen Ausflügen und Pflege der Kontakte zu anderen Suchteinrichtungen.

Die Tierbesitzerinnen und -besitzer sorgen eigenverantwortlich für das mitgebrachte Tier. Dazu gehört auch die Planung für die Futterbereitstellung sowie das Organisieren einer Vertretung bei Abwesenheit.
Bei den Kreativangeboten mit den Materialien Holz, Papier, Farbe, Wolle, Peddigrohr oder Wachs erprobt und erweitert die Bewohnerin oder der Bewohner die manuellen und kognitiven Fertigkeiten.
Dieses Angebot bietet außerdem für die Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit, das Sozialverhalten auszuprobieren und für die Anleiterinnen und Anleiter das Sozialverhalten zu beobachten und Veränderungen anzuregen. Hier werden vor allem Kritikfähigkeit, Ausdauer, Konzentration, Merkfähigkeit, Zutrauen in die eigene Fähigkeit und die Frustrationstoleranz verbessert sowie kreative Interessen gefördert. Die Erfahrung, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen und herzustellen, wird in den Rückmeldungen als positiv empfunden dargestellt.

In musiktherapeutischen Einheiten erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner ein Angebot zur Einleitung von Veränderungsprozessen, die über die Ebene der manuellen Betätigung und die Anreicherung der kognitiven Bereiche hinausgeht. Musik als Therapeutikum arbeitet an der Gesamtpersönlichkeit mit einem direkten Zugang.

Weitere Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich durch neu entstandene Beziehungen:

·        Neue Kontakte zu den ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern in der Nachbarschaft,

·        Teilnahme an den regelmäßig stattfindenden Selbsthilfegruppen in Buckow und Wriezen sowie an deren Aktionen,

·        Kontaktaufnahme zu Selbsthilfegruppen am eigenen Wohnort und

·        Teilnahme an verschiedenen Kirchengemeindeaktivitäten wie z.B. Gottesdienste, Konzertabende, gemeinsame Feste. Es entstehen Kontakte zu einzelnen Familien.

·        Besuch von Hauskreisen und Gruppen der Freikirche oder Kirchen,

·        Besuche anderer Einrichtungen und Teilnahme an Jahresfesten,

·        Gemeinsame Urlaubsgestaltung oder Ausflüge, häufig auch mit ehemaligen Bewohnerinnen aus dem ambulanten Nachsorgebereich,

·        Teilnahme an Volksfesten oder Ausstellungen im Dorf und der Umgebung und

·        Mitarbeit bei Sanierungsmaßnahmen im Ort.

Diese Angebote ermöglichen den Aufbau von Beziehungen über die Einrichtung hinaus, stärken das eigene Selbstbewusstsein und sind ein wichtiger Bestandteil bezüglich der Rolle der Therapieeinrichtung im Gemeinwesen und zur Förderung eines inklusiven Dorfes.

Außerdem wird hier der Ausgrenzung der Person mit ihren speziellen Lebenserfahrungen entgegengewirkt. Durch die häufigen positiven Kontakte werden die möglichen Vorurteile der Bevölkerung und weitere Ausgrenzungsrisiken gegenüber den Therapiebewohnerinnen und -bewohnern abgebaut. Weiterhin wird aber auch deutlich, dass jedes Mitglied der Gesellschaft für die Inklusion von Menschen mit zahlreichen Ausschlussrisiken verantwortlich ist und einen Beitrag leisten kann.

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Zusätzliche Angebote

Die Seelsorge und Andacht

In einer ganzheitlich verstandenen Sozialtherapie werden neben der Behandlung sozio-psycho-somatischer Ursachen auch Fragen des Lebenssinnes und des persönlichen Glaubens mit einbezogen.
Das Angebot der Seelsorge steht jeder Bewohnerin und jedem Bewohner zur Verfügung. In einer nach Bedarf stattfindenden wöchentlichen Abendandacht gibt es die Möglichkeit, zu Fragen des Glaubens und des Lebens ins Gespräch zu kommen.
Es geht nicht um die Übernahme des christlichen Glaubens, sondern um eine bewusste Auseinandersetzung mit der Sinnfrage des eigenen Lebens. Dabei werden kein Unterschied und keine Bewertung der politischen oder weltanschaulichen Einstellung der Bewohnerin oder des Bewohners vorgenommen.

Zentrales Gesprächsthema ist etwa eine zufriedene Nüchternheit, die möglich werden kann durch den Glauben an Gott und das Zeugnis von der Vergebung eigener Schuld. Es kommt zu einer inneren Entlastung als Grundlage für eine dankbare eigenverantwortliche Zukunftsorientierung. Die Erfahrungen von Angenommen sein, Geliebt werden, die Aussöhnung mit Gott, mit sich selbst und anderen Menschen können neue Hoffnung und Lebensfreude bewirken.

Durch die Besinnung auf die Vergebung und die Liebe Gottes kommt es zur Befreiung von Schuld und Schuldgefühlen, einer tiefen Geborgenheit in Gott und zur Überzeugung, dass Gott für das eigene Leben einen Plan hat, den es herauszufinden und umzusetzen gilt.

Dieses Bewusstsein, geliebt und für Gott und andere Menschen wichtig zu sein, stärkt das Selbstwertgefühl und wirkt aufbauend und als Ausgleich.


Das Nachsorgeangebot und das Begegnungszentrum

Die therapeutische Einrichtung des Eichendorfer Mühle Brandenburg e.V. hat eine enge Zusammenarbeit mit dem vereinsinternen Büro der Nachsorge und dem Begegnungszentrum. Entscheiden sich Personen nach der Therapie sich im Ort oder in der Nähe anzusiedeln, können sie dort Unterstützung und Anbindung finden. Im Begegnungszentrum im Dorf können sie die Angebote eines kleinen Ladens, Cafés und der Veranstaltungen nutzen. Hier trifft in angenehmer Atmosphäre das Dorfleben der Bürger, Therapiebewohner und ehemaliger Bewohnerinnen und Bewohner zusammen.

 

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Mitarbeiter


Die Grundvoraussetzung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Langzeittherapieeinrichtung ist die Liebe zu den ‚in Not geratenen‘ Menschen. Unser Liebesverständnis ist geprägt von der biblischen Aussage „Wer liebt, hat Geduld. Er ist gütig und ereifert sich nicht. Wer liebt ist nicht taktlos, selbstsüchtig und reizbar. Wer liebt, gibt niemals jemanden auf. In jeder Lage vertraut und hofft er für ihn“ (Bibel 1.Korinther 13).

Die Haltung steht vor dem Wissen. Mit einem Zitat Viktor Frankls soll dies unterstrichen werden: „Um diese Arbeit gut durchzuführen, zählt die menschliche und geistige Qualität des Therapeuten mehr als sein enzyklopädisches Wissen oder seine technischen Fähigkeiten. Der Therapeut handelt durch das, was er ist und nicht durch das was er weiß“ (Frankl in Längle 1985 S.30).

In Anlehnung an Goethe schreibt Frankl weiter, „...dass wir mit dem Blick der Liebe den Anderen nicht nur sehen wie er ist, sondern auch so wie er sein könnte […]. Die Liebe zeichnet sich aus durch ihren Begegnungscharakter, und Begegnung bedeutet allemal, dass es sich um eine Beziehung von Person zu Person handelt(Frankl 1982 S.135).

 So ist eine therapeutische Begleitung erst auf den Hintergrund einer Beziehung zwischen Begleitern und Bewohnern möglich. Dieses logotherapeutische Verständnis prägt die tägliche Gemeinschaft. Es betont, wie wichtig ein aufrichtiges und respektvolles Auftreten einer jeden Mitarbeiterin und eines jeden Mitarbeiters ist und zu einer gelingenden Therapie betragen kann. Die eigene Haltung dieses Liebesverständnisses als Voraussetzung wird in Mitarbeiterbesprechungen immer wieder angefragt und, wo nötig, auch korrigiert.

Dieses Wissen um die Macht der eigenen Ausstrahlung ist eine Chance für die Begleitung von Menschen, die die Sehnsucht nach sinnvollem Leben verspüren, aber nicht wissen, wie diese Sehnsucht gestillt werden kann. Es sollte uns jedoch auch hellhörig machen, um von vorn herein ein Abhängigkeitsverhältnis zu vermeiden. Dort wo es in der Begleitung notwendig ist und „...unausweichlich scheint, muss solcher Begleitung eine Rückerziehung zur Selbstständigkeit folgen“ (Frankl 1996/2/S. 32). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen demnach versuchen, die verschiedenen Bereiche der Abhängigkeit aufzudecken und helfen, dort die Selbstständigkeit des Bewohners zu fördern.

Das therapeutische Team umfasst Fachpersonal für Suchttherapie, Logotherapie und existenzanalytische Beratung, Sozialarbeit, soziale Betreuung, Musiktherapie, Seelsorge und Arbeitstherapie. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben langjährige Erfahrungen in der Begleitung von Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung bzw. haben im Rahmen ihrer Ausbildung spezifische suchttherapeutische Kenntnisse erworben. Die Zusatzausbildung zum logotherapeutischen Berater beinhaltet spezielle suchttherapeutische Methoden (u.a. nach Elisabeth Lukas, klinische Psychologin und fachliche Leiterin des Süddeutschen Instituts für Logotherapie). Weitere einzelne Ausbildungsberufe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden die Grundlage für die Arbeitstherapie im Bereich Holz, Küche, Garten und Hauswirtschaft.

Die Zusammenarbeit einzelner Bereiche sowie das Eingehen auf aktuelle Ereignisse werden durch wöchentliche Teambesprechungen, bei der morgendlichen Tagesplanung oder durch Informationen im Dienstübergabebuch sichergestellt.
Weitere Kooperationen bestehen zu praktizierenden Allgemeinmedizinern in der Umgebung, zu Suchtberatungsstellen, zur Psychiatrischen Institutsambulanz sowie zu Entgiftungsstationen von Krankenhäusern,  Kliniken der Alkoholentwöhnungsbehandlungen,  Justizvollzugsanstalten und Krankenhäusern des Maßregelvollzugs.


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Qualitätsmanagement und -sicherung

 

Es gibt wöchentliche Teambesprechungen, bei Bedarf durchgeführte Einzelsupervisionen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Einzel- und Gruppengespräch und Teamsupervisionen, Klausurtagungen für alle am therapeutischen Prozess beteiligten Mitarbeiterinnen sowie interne und externe Weiterbildungen. Sie dienen der Sicherung und der Verbesserung der Arbeitszufriedenheit und damit der Leistungsfähigkeit.
Vorhandene Leistungsstandards werden entsprechend neuer Erkenntnisse aus der Praxis und Theorie aktualisiert. Durch die Mitarbeit in einem überregionalen Arbeitskreis der Sozialtherapeutischen Einrichtung im Land Brandenburg bei der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen (BLS) e.V. werden notwendig erscheinende Qualitätsstandards diskutiert und entwickelt.
Das auf Grundlage eigener Erfahrungen und im Austausch mit anderen Nachsorgeeinrichtungen entstandene Dokumentationssystem wird regelmäßig den erforderlich werdenden Bedingungen angepasst. Die Datenerhebung erfolgt mit Hilfe des EBIS-SEDOS Kerndatensatzes, der als Basis für unser EDV-gestütztes Dokumentationssystem „timeline“ dient.
Bei der Erstellung des individuellen Hilfeplans findet die Existenzskala von A. Längle (Testzentrale Göttingen) u.a. Anwendung. Die regelmäßige Hilfebedarfserfassung erfolgt durch mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam. Es erfolgt ein Informationsaustausch mit anderen Suchtkliniken.
Die Erstellung unseres Qualitätsmanagementsystems erfolgt nach DIN- ISO 9001-2000 mit inhaltlicher Anpassung nach TQM. Ziele dieser Maßnahmen sind vor allem die Ressourcenbündelung und das Erreichen einer optimalen Innen- und Außenwirkung der Einrichtung.

In folgenden Gremien sind wir im Besonderen tätig:

·        Verband Evangelischer Behindertenarbeit im Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg Schlesische Oberlausitz e.V. (VEBA),

·        Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft für Suchtkrankenhilfe im Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg e.V. (ELAS),

·        Arbeitskreis Sucht im Landkreis Märkisch-Oderland,

·        Arbeitskreis der Sozialtherapeutische Einrichtungen in Brandenburg bei der Brandenburger Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V. (BLS) und

·        Sucht-Selbsthilfeverbände (Blaukreuz, Suchtgefährdetendienst Brandenburg).

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Anlage zur Begleitung an der Eichendorfer Mühle aus logotherapeutischer Sicht

In dieser Fassung wurde bewusst versucht, soweit es geht, auf die Verwendung von Fremdwörtern zu verzichten. Überall wo das Wort "Begleitung" steht, kann auch "Therapie" gelesen werden. Die Therapie ist in unserer Einrichtung ein Begleiten und ein ständiges In-Frage-Stellen der Bewohnerin oder des Bewohners. Im Antworten lernt sie/ er so, das eigene Leben zu verantworten. Die Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner an der Eichendorfer Mühle beruht auf der Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl. Logotherapie stellt eine sinnzentrierte Begleitung dar. Die wesentliche Motivation des Menschen ist nach Frankl der Wille zum Sinn und nicht der Wille zur Lust (Freud) oder der Wille zur Macht (Adler). Unsere Begleitung zielt darauf, dass die Bewohnerin oder der Bewohner die Fähigkeit erwirbt, in ihrem/ seinem Leben erneut, oder auch erstmals, einen Wert und einen Sinn zu sehen. Wir gehen davon aus, dass der Abhängigkeit in vielen Fällen das von Frankl beschriebene existenzielle Vakuum zugrunde liegt. Dieses Vakuum zeigt sich in einem Sinnmangel der bis zur Sinnleere führen kann. Die Werte des Lebens werden oft nicht mehr gespürt. Jeder Augenblick des Lebens trägt Sinn in sich und ist deshalb wertvoll. (nach Frankl)

Er unterscheidet drei Wertegruppen:

Schöpferische Werte, Erlebniswerte und Einstellungswerte. In jeder Situation kann zumindest einer dieser Werte gelebt werden. Sinnvoll leben heißt: Im Hier und Jetzt, die beste Möglichkeit zu erkennen und zu ergreifen.
Am Anfang des Suchtmittelmissbrauchs stehen oft Bedürfnisse nach Geborgenheit, Anerkennung, Gemeinschaft und die Sehnsucht nach einem Ziel, für das es sich zu leben lohnt. Durch Suchtmittel wird die Erfüllung dieser Bedürfnisse vorgetäuscht. Diese Täuschung führt letztlich in die totale Abhängigkeit. Zu den suchtfördernden Haltungen gehören ebenso das Verharren in Wunschhaltungen oder der Versuch, Leid um jeden Preis zu vermeiden.
Die Begleitung in unserer Einrichtung zielt auch auf eine aktive Auseinandersetzung mit Leidvollem und deren Einbettung in die eigene Lebensgeschichte. Zudem was nicht geändert werden kann, kann der Mensch immerhin noch seine Einstellung ändern.
Nicht, "Was erwarte ich vom Leben?", sondern "Was erwartet das Leben von mir?", ist die entscheidende Lebensfrage. Mit der Beantwortung dieser Frage wird der Weg in ein verantwortliches Leben betreten.
Diese Freiheit, die sich ein Mensch nimmt, bedarf als Ausgleich der Verantwortung. „Freiheit schlägt in Willkür um und artet aus, wenn sie nicht von Verantwortung ergänzt wird.“(Frankl 1996/S.17)
Sich den Lebensfragen zu stellen heißt, die Flucht vor dem Leben und die Suche nach dem Glück zu beenden und sich dem Hier und Jetzt zu stellen. Logotherapeutisch wird diese Einstellungsänderung als kopernikanische Wende bezeichnet.
Sie ist eine Voraussetzung für das Erreichen einer zufriedenen Abstinenz und zur Umsetzung von Sinn im eigenen Leben.
Empfindet die Bewohnerin oder der Bewohner ihr/ sein Leben als sinnvoll und kann es auch täglich in kleinen Einheiten verantwortlich leben, ist ein entscheidender Schritt in Richtung auf ein dauerhaft suchtmittelfreies Leben getan.

Wichtige Schritte aus der Abhängigkeit heraus bestehen darin, den negativen körperlichen und sozialen Folgen der Sucht Lebenswertes entgegen zusetzten.

Die Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben und für bestimmte Bereiche der Wohngruppe bzw. im näheren sozialen Umfeld ist wesentlicher Bestandteil der Begleitung.

Durch die gegebenen Rahmenbedingungen vor Ort wird die Unberechenbarkeit des Lebens erfahrbar und die Einzelne wird ständig genötigt, auf die gestellten Lebensfragen zu antworten, ihr Leben zu ver-antworten.


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