Therapie:

  Konzept         
 
Fassung 1/2018

 


Die Einrichtung

Zielgruppe

Therapiedauer

Aufbau und Verlauf der Begleitung

Das vierstufige Therapieprogramm

Mitarbeiter

Ganzheitliche Angebote

Anlage zur Begleitung an der Eichendorfer Mühle aus logotherapeutischer Sicht

   
   
 

1. Die Entstehungsgeschichte und das Leitbild des Eichendorfer Mühle Brandenburg e.V.

Im Jahre 1984 schloss sich eine kleine Gruppe mit dem Gedanken zusammen, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung neu wertschätzend begegnet werden kann und an dem sie neue Strukturen für sich aufbauen können. Das Leben in einer haltgebenden Gemeinschaft bietet für sie einen Schutzrahmen. Hier können sie sich entfalten und lernen, in einem selbstbestimmtes Leben neu zu leben. Nach einer Zeit der ehrenamtlichen Basis wurde schließlich ein Konzept eingereicht. Diese therapeutische Arbeit wurde 1992 als eine sozialtherapeutische Einrichtung anerkannt und bis heute weiterentwickelt.

Die Begleitung von Menschen versteht sich hier nicht als ein Erziehen und Belehren, sondern als ein Ansprechen des Betroffenen auf seine Freiheit und seine Verantwortung hin.

Mit diesem Leitgedanken stützt sich die Therapie auf die Erkenntnisse der Logotherapie nach Viktor Frankl. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möchten den Bewohnerinnen und Bewohnern zur Seite stehen bei dem Versuch, TROTZ ihrer Abhängigkeitserkrankung wieder oder erstmals ein zufriedenes Leben zu führen.

Das Menschenbild des Begleitens prägt die gesamte Therapie und die eingesetzten Methoden. Da der überwiegende Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Einrichtung den eigenen Lebensinhalt im christlichen Glauben gefunden hat, spiegeln sich das biblische Menschenbild und biblische Werte auch in deren Haltung und im gemeinsamen Therapiealltag wider. Das bedeutet, dass besonders auf eine respektvolle und wertschätzende Haltung gegenüber den verschiedenen Lebenserfahrungen im gemeinsamen Therapiealltag Wert gelegt wird.


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Lage

Die sozialtherapeutische Einrichtung des Eichendorfer Mühle Brandenburg e.V. liegt 50 km südöstlich von Berlin im Naturpark Märkische Schweiz im Ortsteil Hermersdorf der Stadt Müncheberg. Sie ist mit dem Auto über die B1/B5 von Berlin Richtung Frankfurt/Oder bis Müncheberg zu erreichen und von dort bis Hermersdorf. Mit der Regionalbahn dauert es vom 3 km entfernten Bahnhof im Nachbarort Obersdorf 45 Minuten bis Berlin Lichtenberg. Die Kleinstadt Müncheberg liegt 8 km entfernt und ist häufiges Anfahrtsziel für Einkäufe, Arztfahrten oder Bürgeramtstermine. Der Kurort Buckow (Märkische Schweiz) ist 8 km entfernt und bietet neben einem großen See ein kleines Kino, Restaurants und Künstlerateliers mit unterschiedlichen Ausstellungen.

Die Ausstattung

Es gibt die Hauptwohngruppe im Therapiehaus, wo jede Bewohnerin oder jeder Bewohner in Einzelzimmern untergebracht ist und gemeinschaftlich versorgt wird. Den 22 Einzelzimmern stehen vier Bäder mit entsprechenden Sanitäreinheiten zur Verfügung. Sieben der Zimmer sind als Apartment mit je einem eigenen Bad mit Dusche oder Badewanne eingerichtet. Sie sind vorrangig für Frauen. Eines der sieben Apartments ist barrierefrei. Die Einzelzimmer im Erdgeschoß des Hauses sind die Wohnform, die speziell für die Aufnahme mit Hund vorgesehen ist. Das Tier kann darin mit der Besitzerin oder dem Besitzer zusammen im Wohnraum leben. Hier stehen ebenfalls eine gemeinsame Kleinküche und Sanitäreinrichtungen zur Verfügung.

Es gibt einen Aufenthaltsraum, zwei Bewohnerteeküchen, ein Gästezimmer, eine Gästeteeküche, die Zentralküche und den zentralen Speiseraum. Ebenso gibt es ein Gästezimmer und ein Krisenzimmer. Darüber hinaus gibt es einen Gruppenraum für Kleingruppen.

Jedes Bewohnerzimmer ist mit einem Satellitenanschluss ausgestattet.

Zu bestimmten Zeiten stehen ein PC mit Internetzugang und ein Telefon für die Bewohnerinnen und Bewohner zur Verfügung. In den Zimmern und Gemeinschaftsräumen kann nach Anmeldung kostenfrei das Internet per W-Lan genutzt werden.

Zu den Therapieräumen zählen auch zwei Wohngemeinschaften in unmittelbarer Nähe zum Therapiehaus für je zwei Personen, zwei 3-Raumwohnungen mit Küche und Bad. In ihnen wird das eigenständige Leben unter wirklichkeitsnahen Bedingungen geübt. Dies ist vor allem für Betroffene wichtig, die schon sehr lange nicht mehr oder noch nie einen eigenen Haushalt führen konnten. Der Therapiealltag gestaltet sich dabei wie bei den anderen Bewohnerinnen und Bewohner mit enger Anbindung an das Therapiehaus und die vorgegebenen Abläufe.

Zum Gelände des Therapiehauses gehören weiterhin Haus- und Wirtschaftsgebäude mit einem Freizeitraum, einem Fitnessraum sowie verschiedenen Werkstätten, Holzlager und einem Fahrradraum. Im nahen Außenbereich vom Gelände des Therapiehauses befindet sich in ca. 500 m Entfernung ein Sägewerk und eine Tischlerei. Für die Freizeitgestaltung und Ergotherapie finden sich hier auch Kreativräume, in denen traditionelle Handwerkstechniken wie Flechten, Filzen, Spinnen, Papierschöpfen und Keramikarbeiten erprobt werden können.

3 Km entfernt liegt die Eichendorfer Mühle, die dem Verein auch ihren Namen gab.  Dort gibt es auf dem rund 10.000 m² großem gepachtetem Gelände ein Gewächshaus und einen großen Garten sowie einen Aufenthaltsraum mit WC und Teeküche.

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3. Zielgruppe

In der sozialtherapeutischen Einrichtung werden Menschen, die unter ihrer Abhängigkeit, vorranging Alkohol, leiden und denen Hilfe nach §§ 53, 54 SGB XII zusteht, begleitet. Es können Männer und Frauen aufgenommen werden. In Ausnahmefällen ist auch eine Aufnahme von Paaren möglich.

Außerdem besteht hier im Besonderen die Möglichkeit zur Aufnahme mit Hund oder Kleintieren. Die Tiere kommen mit ihren Besitzern gemeinsam in extra dafür vorgesehenen Zimmern unter.

Durch Umgestaltungen in unserem Haus ist das Erdgeschoss barrierefrei zugänglich. Auf dieser Ebene wurde ein behindertengerechtes Bewohnerzimmer mit Bad eingerichtet, sodass auch die Aufnahme mit Bewegungshandycap möglich ist.

Auch Menschen mit einem hohen Grad an Begleiterkrankungen (Komorbidität) und Menschen mit Doppeldiagnosen können aufgenommen werden, ebenso Personen nach oder direkt in Anschluss an Haftaufenthalte.

Menschen mit akuten Psychosen oder akuter Suizidalität können nicht aufgenommen werden. Dies gilt auch für Personen, die nach §§35, 36 BtMG Therapie statt Strafe eine Unterbringung suchen. Dies gilt auch für alle weiteren Formen von Unterbringungen mit freiheitsentziehenden Maßnahmen.

Grundsätzliche Voraussetzungen für eine Aufnahme sind:

  • Volljährigkeit,
  • die freie Entscheidung für die Therapie,
  • ein persönliches Vorstellungsgespräch
  • der Wille zur Abstinenz von den entsprechenden Suchtmitteln,
  • die Anerkennung des Therapierahmens mit der Hausordnung und
  • die Zusage der Kostenübernahme vom zuständigen Kostenträger, im Regelfall dem überörtlichen Träger der Sozialhilfe und
  • sofern erforderlich, eine abgeschlossene Entgiftung und eine Entwöhnungsbehandlung.

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4. Therapieziel

Das Ziel der Begleitung besteht darin, dass Menschen trotz ihrer Abhängigkeitserkrankung ihr Leben sinnvoll erfahren und gestalten können. Über das Mittel der zufriedenen Abstinenz soll der betroffene Mensch wieder, oder erstmals, selbst in Freiheit und Verantwortung dauerhaft ein sozial orientiertes Leben führen.

Es wird besonders auf angemessene Umgangsformen im Zusammenleben und dem Umgang mit anderen Menschen in der Gemeinschaft Wert gelegt. Außerdem orientieren wir uns auf Ordnung und Sauberkeit im persönlichem Bereich, an der achtsamen Gesundheitspflege und dem bewussten Leben in der Umwelt. Durch eine so gestaltete Beziehung soll die relative Selbständigkeit der Bewohnerin oder des Bewohners wieder hergestellt werden.


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5. Therapiedauer

Die Therapiedauer richtet sich nach der Ausprägung der Erkrankung und der Persönlichkeit der Bewohnerin oder des Bewohners. Sie beträgt nach den Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte zwischen 3 und 24 Monaten. Die Erfahrungswerte zeigen, dass durchschnittlich mit einer Therapiedauer von etwa 18 Monaten zu rechnen ist. Im Einzelfall ist eine Verkürzung bzw. Verlängerung in enger Absprache mit den Kostenträgern möglich.

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6. Aufbau und Verlauf der Begleitung

Die Schwerpunkte der Sozialtherapie liegen in den tagesstrukturierenden Maßnahmen wie der sinnvollen Beschäftigung (Arbeitstherapie), der sinnvollen Freizeitgestaltung, der Sozialberatung und in unterschiedlichen Gesprächsangeboten.

Entsprechend den Forderungen des Gesamtplanes des zuständigen Kostenträgers und den Fähigkeiten, Hilfebedarfen und persönlichen Zielen der Bewohnerin oder des Bewohners stellen wir aus unseren Angeboten den individuellen Hilfeplan zusammen. Dieser individuelle Wochenplan wird am Ende der Eingewöhnungsphase zusammen mit der Bewohnerin oder dem Bewohner aufgestellt. Um einer ressourcenorientierten Grundhaltung gerecht zu werden, steht zu Beginn der Begleitung das Aufzeigen von Stärken und Fähigkeiten im Vordergrund.

Der individuelle Wochenplan ist das zentrale begleitende Therapieinstrument und wird anhand von Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Zusammenleben in der Wohngruppe, dem gewählten Verantwortungsgebiet und aus der Auseinandersetzung mit den Strukturen des Zusammenlebens aktualisiert und in regelmäßigen Einzelgesprächen und Einschätzungen in den Mitarbeiterbesprechungen auf seine Stimmigkeit hin geprüft.

Der Umgang mit Rückfällen ist in einem gesonderten Rückfallstandard detailliert geregelt. Nach Rückfällen kann die Therapie weitergeführt werden, sofern der weitere Wunsch nach einem abstinenten Leben besteht und eine Grundlage für die weitere Zusammenarbeit da ist. Der Konsum und/oder Besitz von Alkohol oder Drogen in Therapiegebäuden führt zum sofortigen Beendigung der Therapie.

Das Leben in der Therapiegemeinschaft

Das Leben der Therapiegemeinschaft bietet allgemein einen suchtmittelfreien, vertrauensvollen, stabilisierenden und anregenden Rahmen für die soziale Langzeitrehabilitation von Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung. Hier werden sie in einem suchtmittelfreien Leben gestärkt und gefestigt.

Dieses Miteinander vermittelt Sicherheit und ermöglicht es der Bewohnerin und dem Bewohner, sich in einem geschützten Rahmen zu Hause zu fühlen.

Durch das Freilegen und Stärken des eigenen Wollens und Könnens wird der Abhängigkeit von Stimmungsschwankungen, anstrengungsfreiem Lustempfinden und Fremdbestimmung etwas Lebenswertes entgegengesetzt.

Die Übernahme von Verantwortung in der Gemeinschaft, sinnvolle Beschäftigung, Gruppengespräche zur Lösung von Schwierigkeiten sowie in Beziehung zu treten und kreative Angebote zu nutzen, bauen die gesunden Persönlichkeitsanteile aus und verbessern die weitere Lebensgestaltung.

Psycho-soziale Beeinträchtigungen können überwunden werden, indem die Aufmerksamkeit immer wieder auf die noch verbleibenden Möglichkeiten der Bewohnerin oder des Bewohners gelenkt wird.

Die Erfahrung zu Solidarität, Hilfsbereitschaft, Glaube, eigenen Ideen und Ordnung fähig zu sein, stärkt das Bewusstsein, Freiräume zu haben. Neue positive Erfahrungen motivieren, nun neue Möglichkeiten der Beschäftigung und Freizeitgestaltung zu entdecken.

Die eigenen unterschiedlichsten Gefühle und Gefühlsschwankungen und die Konfrontation mit denen der anderen Bewohnerinnen und Bewohnern werden täglich lebensnah erfahren. Der Umgang mit dieser Erfahrungsmöglichkeit wird von den Mitbewohnern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angefragt und wird so zu einer konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Alltäglichen.

Durch sinnvolle Beschäftigung im Gartenbereich, der Holzaufbereitung für unsere Holzheizungen, in der Bautruppe, dem Sägewerk, der Tischlerei, der Tätigkeit in der Küche und im gesamten Haushaltes bis hin zur Übernahme von verantwortlichen Aufgaben im gesellschaftlichen Umfeld (Nachbarschaft, im Sozialraum des Dorfes), wird der Zusammenhang zwischen eigener Verantwortung, dem eigenen Können und der Lebensqualität erlebbar (Schöpferische Werte). Durch die Erfahrung des eigenen Könnens und des tatsächlichen Gebrauchtwerdens wächst das Verlangen, gesund und leistungsfähig zu werden und zu bleiben.

Um der Bewohnerin oder dem Bewohner einen Freiraum zu zeigen, der selbst bei schwerer schicksalhafter Belastung offen steht, werden Gruppen- und Einzelgespräche, Seelsorge und Andachten angeboten (Einstellungswerte).

Durch bewusstes Gestalten der Freizeit und von Festen bieten sich Möglichkeiten, gemeinsam Schönes und Wertvolles zu erleben (Erlebniswerte).

Die Verwirklichung dieser Werte stellt die praktische Umsetzung der Logotherapie dar, die wir als Grundlage der Therapie nutzen.

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7. Das vierstufige Therapieprogramm

Die Bewohnerin oder der Bewohner durchläuft während des Aufenthaltes in unserer Einrichtung vier Therapiestufen. Das Erreichen einer neuen Stufe wird im therapeutischen Team individuell, unter Einbeziehung der Selbsteinschätzung der Bewohnerin oder des Bewohners, definiert.

Die so gewonnenen Erkenntnisse und damit einhergehende Möglichkeiten werden im Einzelgespräch im Detail angesehen, sodass auch hier Akzeptanz und Vertrauen gefördert werden. Der Therapieverlauf ist so angelegt, dass im Laufe des therapeutischen Prozesses die Eigenverantwortung und Selbstermächtigung stärker gefordert werden.

Stufe I

Sie umfasst die Probe und Eingewöhnungszeit. Ihre Dauer liegt bei durchschnittlich 4-6 Wochen.

Das Kennenlernen der Einrichtung und die Auseinandersetzung mit den Besonderheiten der Einrichtung stehen im Mittelpunkt. Das Erfragen der Gründe für eine Therapie ist ein weiterer Schwerpunkt in dieser Phase und soll die vorhandene Motivation abklären und stärken.

Eine wichtige Rolle spielt hierbei der Kontakt zu Bewohnerinnen und Bewohnern, die schon länger abstinent leben. Sie verstehen die neue Bewohnerin oder den neuen Bewohner in ihrer/ seiner Problematik und können ihr durch Gemeinschaft Halt geben.

Schwerpunkte sind:

  • Kennenlernen der gesamten Einrichtung,
  • Teilnahme am Tagesprogramm,
  • Kennenlernen der Wohngruppe,
  • Auseinandersetzen mit den Besonderheiten des Lebens in der Einrichtung,
  • Aufbau einer vertraulichen Beziehung zwischen Bewohnerin/ Bewohner und Bezugstherapeutin/ Bezugstherapeut und
  • Abklärung der Beweggründe für eine Therapie.

Stufe II

Hauptinhalt dieser Stufe ist, das Selbsterkennen und Selbstannehmen zu lernen. Der Zeitrahmen liegt in dieser Stufe bei durchschnittlich 3-6 Monaten.

Das Herausarbeiten der eigenen Stärken und des eigenen Könnens stehen im Vordergrund, um den Selbstwert aufzubauen und zu festigen. Mit gestiegenem Selbstwert und gesteigerter Selbsterkenntnis fällt das Wahrnehmen und Achten der Würde der anderen und des anderen leichter. Es wird erlernt, diese „Sein zu lassen“. Erste persönliche Therapieziele werden entwickelt.

Schwerpunkte sind:

  • Sich Einleben,
  • Zur Ruhe kommen,
  • Verbindliche Teilnahme am Tagesprogramm,
  • Sich selbst erkennen und annehmen lernen,
  • Andere Menschen als eigene Persönlichkeiten wahrnehmen und achten,
  • Persönliche Ziele für die Therapie entwickeln,
  • Arbeits- und Leistungsfähigkeit trainieren,
  • Persönliche Hygiene und Sauberkeit im Wohnbereich umsetzen und
  • Bewusster Umgang mit der Hausordnung.

Stufe III

In der kontinuierlich fortgesetzten Annahme eines stabilen Selbstwertes geschehen die notwendige Aufarbeitung der Vergangenheit und die Aussöhnung mit ihr (Dauer durchschnittlich 3 bis 6 Monate).

Weitere wichtige Ziele sind, sich bewusst zu machen, dass zum Leben Kritik, Konflikte und Spannungen gehören. Diesen nicht auszuweichen, sie vielmehr auszuhalten, gilt es zu lernen.

Die Übertragung von mehr Eigenverantwortung für die Tagesplanung und Lebensgestaltung sind nun neue Schwerpunkte.

Es werden stabile Säulen für eine zufriedene Lebensführung aufgebaut. Hierzu zählt u. a. eine tragfähige, abstinente Gemeinschaft, sinnvolle Freizeitaktivitäten, das Bemühen um eine sinnvolle Tagesbeschäftigung, die Aussöhnung mit Angehörigen und Aufbau familiärer Beziehungen.

Je nach persönlichem Therapieplan kann die Verlegung in eine andere Wohnform vorgenommen werden.

Schwerpunkte sind:

  • Übernahme von Verantwortung im Bereich der sinnvollen Beschäftigung,
  • Lernen, mit Nähe und Distanz umzugehen,
  • Zwischen positiven und negativen Einflüssen unterscheiden lernen,
  • Durch Selbstdistanzierung mit Kritik, Konflikten und Spannungen zu leben,
  • Enttäuschungen überwinden, die Vergangenheit aufarbeiten und sich mit ihr aussöhnen und
  • Ein positives Selbstwertgefühl entwickeln.
Stufe IV

In der letzten Stufe geht es um die Vorbereitung der Ablösung von der stationären Einrichtung (Dauer: ca. 3 bis 5 Monate).

In dieser Stufe sind beispielsweise die Einbindung in Maßnahmen zur Förderung der Arbeitsfähigkeit, wie ein begleitetes Praktikum oder Umschulungsmaßnahmen möglich.

Das Ziel der Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt bleibt für viele, auf Grund eigener Beeinträchtigungen und vor allem wegen der schier aussichtslosen Lage auf dem Arbeitsmarkt, nur eine Wunschvorstellung.

Hat die Bewohnerin oder der Bewohner ihre/ seine Ich-Bezogenheit überwunden, wird sie/er im neuen Umfeld eine Tätigkeit finden, die, wenn auch keine finanzielle Unabhängigkeit, so doch die Verwirklichung schöpferischer Werte bringen kann. Eine solche Erfahrung wiederum kann vor einem Zurückfallen ins Sinnlosigkeitsempfinden bewahren.

Die Feststellung Frankls „...dass der Mensch von heute alles hat, wovon er leben kann, aber zu wenig wofür es sich lohnt zu leben…“ (Frankl 1999/S.18) trifft heute noch genauso zu wie damals. Sich der eigenen Situation offen zu stellen und zu fragen:

‚Was kann ich hier tun? Was erwartet das Leben von mir?‘ hilft, ins sinnvolle Leben einzusteigen.

Das Ziel der selbstbestimmten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben endet nicht mit Abschluss der Sozialtherapie. Nach Bedarf wird zum Therapieende die Bewohnerin oder des Bewohners ein fließender Übergang in die eigene Wohnung, in die ambulante Nachbetreuung durch aufsuchende Sozialarbeit oder eine Vermittlung in wohnortnahe Gruppenangebote vorbereitet.

Schwerpunkte sind:

  • Eigenverantwortliche Tagesgestaltung,
  • Ehrliche Selbsteinschätzung,
  • Zuverlässigkeit und Selbstdisziplin leben,
  • Eigene Sinnmöglichkeiten erkennen und umsetzen,
  • Konkrete Schritte zur Verwirklichung der eigenen Zukunftsplanung gehen (Leben der erkannten Ziele und Werte),
  • Ausreichende Versuchungstoleranz Suchtmitteln gegenüber leben,
  • Aufbau und Einleben in das neue soziale Umfeld (Wohnungs- und Beschäftigungssuche),
  • Belastungsheimfahrten, Praktika in Betrieben,
  • Kontakt zur Selbsthilfegruppe, sozialen und behördlichen Stellen aufnehmen und
  • Renovierung und Wohnungseinrichtung organisieren.

 





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8. Angebote der Begleitung

Jeder Bewohnerin und jedem Bewohner steht eine Vielzahl von Angeboten zur Verfügung, die beim Aufbau einer zufriedenen Abstinenz helfen sollen. Diese finden sich im gemeinsam erarbeiteten Wochenplan wieder. Die Teilnahmebereitschaft und die aktive Beteiligung werden dokumentiert und ergeben ein Gesamtbild von der Entwicklung der Persönlichkeit der einzelnen Bewohnerin oder des einzelnen Bewohners. An Hand der gewonnenen Erkenntnisse wird der persönliche Therapieplan überprüft und, wo nötig, korrigiert.

Die Großgruppe

Montag bis Freitag trifft sich um 7:45 Uhr die Großgruppe. Sie besteht aus allen anwesenden Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Bei logotherapeutischer Ausrichtung geht es hier um Besinnen, um so Sinnmöglichkeiten zu erkennen und sie dann auch umzusetzen. Bei diesem täglichen Nachdenken werden allgemeine Werte vorgestellt. Eine neue Erfahrung für viele Bewohnerinnen und Bewohner ist dabei, dass nicht wenige der allgemeinen Werte auf christlichen Werten beruhen, was zum Teil an biblischen Beispielerzählungen deutlich gemacht wird.

Hier werden auch Termine und Aktivitäten der Woche gemeinsam besprochen und geplant. Belange, die alle Bewohnerinnen und Bewohner betreffen, werden thematisiert und diskutiert.

Weitere praktische Bedeutung hat die Großgruppe für eine zielorientierte Einübung einer Tages- und Wochenstruktur.

Die Kleingruppe

Jede Bewohnerin und jeder Bewohner ist in eine Kleingruppe von etwa 5-7 Personen eingebunden, die sich wöchentlich zu einer Sitzung trifft.

Für die Kleingruppen gibt es eine Themenvielfalt, die suchtspezifische Probleme wie Rückfallvorsorge, Kriseninterventionen, Notwendigkeit von Selbsthilfegruppen und das Erarbeiten von Notfallplänen sowie Themen wie Umgang mit Aggressionen und Ängsten, Entwicklung von Konfliktlösungsstrategien und Partnerschaftsfragen behandelt. Auch wird die Kleingruppe genutzt für die Besprechung von Konflikten und Problemen des Zusammenlebens und es wird versucht, diese zu bearbeiten.

Einige Bewohnerinnen und Bewohner sind so stark von jahrelangem Konsum gezeichnet, dass ihre Denk- und Merkfähigkeit stark abgenommen hat. Um diese wieder zu trainieren und anzuregen, bieten wir speziell das Kleingruppenangebot „Gedächtnistraining“ an.

Das Einzelgespräch

Diese Gespräche unter vier Augen sind fester Bestandteil in der Begleitung und finden je nach Bedarf statt, jedoch mindestens einmal in 14 Tagen. Ein bestimmtes festes „Setting“ gibt es dafür in unserer Einrichtung nicht.

Viele unserer Bewohnerinnen und Bewohner haben die Fähigkeit verloren, sich unbefangen zu äußern. Zu oft wurden sie häufig schon befragt. Im Gegensatz dazu bringen gerade die zwanglosen Gespräche, die bei der täglichen Beschäftigung geführt werden und in denen sich die Bewohnerinnen und Bewohner sicher und unbefangen fühlen, ihre wirklichen Anliegen und Probleme ans Licht und ins Bewusstsein.

Das Zentrum der Einzelgespräche fordert von der Begleiterin oder dem Begleiter „...ein wachsames Hinhorchen ohne jegliche Voreingenommenheit, möglichst auch nicht einer durch ein theoretisches System bedingte, zu erwarten. Das Gespräch muß sich von allem Erzwingerischen freihalten.. (Schulte 1974/S.20).

Die Schilderungen von unvorstellbarem Leid, einem nicht mehr rückgängig zu machenden Schuldig-geworden-Sein der Bewohnerin oder des Bewohners berührt die Frage nach „Grund, Sinn und Ziel menschlichen Lebens“, auch bei der Begleiterin oder dem Begleiter. Diese Spannung muss ausgehalten werden. Die Entbindung von diesen Gefühlen ist dringend notwendig, dass die Leidende oder der Leidende nicht im Leid steckenbleibt, sondern nach neuen Sinnmöglichkeiten suchen kann.

Mit einem Teil der Bewohnerinnen und Bewohner behandeln wir im Gesprächsrahmen eine Existenzskala nach A. Längle. Sie gibt Aufschluss über Zufriedenheit, Verantwortung und Selbstwert einer Person.

Im Einzelgespräch wird auch besonders die Kontaktaufnahme zu Angehörigen oder Freunden begleitet, um die Abhängigkeits-, Co-Abhängigkeits- und Abstinenzthematik bewusst zu machen. Ebenso hilft diese Begleitung nach belastenden Erfahrungen der Vergangenheit, die Kommunikation zu verbessern und gegenseitige Akzeptanz zu üben.

Krisenmanagement

Wenn ein Mensch entschieden ist, sich seiner Abhängigkeit zu stellen und nach Wegen in ein Leben zufriedener Abstinenz sucht, sieht er sich einer Fülle von neuen Gestaltungsaufgaben gegenüber. Hat bis dahin das Suchtmittel als Lebenshilfe gedient, müssen jetzt neue Verhaltensweisen und Handlungsstrategien gefunden werden.

Geprägt von vielen Enttäuschungen über sich selbst und andere, ist der Selbstwert stark herabgesetzt. Die Kritikfähigkeit ist ebenfalls so schwach, dass jede Anfrage schon als Infragestellung der gesamten Person erfahren wird und ein angemessenes Verhalten oft nicht möglich ist.

Auch der Umgang mit den eigenen Gefühlen wie Traurigkeit, Scham, Angst und Unsicherheiten, aber auch Freude, Glück und Verliebtsein machen vielen Bewohnerinnen und Bewohnern, gerade in der Anfangszeit, sehr zu schaffen.

Die Begegnung mit der Vergangenheit, oft ausgelöst durch bestimmte Gedenktage oder Begegnungen mit Menschen, zu denen noch ungeklärte Beziehungen bestehen, bringen das psychische Gleichgewicht stark ins Schwanken. Um der aufkommenden Hilflosigkeit nicht ausgeliefert zu sein, besteht die Möglichkeit, jederzeit kompetente Hilfe zu erreichen. Dazu können vertrauliche Krisengespräche erfolgen, die im therapeutischen Geschehen Vorrang haben. Im Notfall, etwa sofern keine Mitarbeiterin oder kein Mitarbeiter mehr im Haus ist, kann der Bereitschaftsdienst über das Notfalltelefon angerufen und ggf. hinzugezogen werden.

Auch gibt es einen Notfallplan mit den entsprechenden Notrufnummern. Diese Nummern sind den Bewohnerinnen und Bewohnern bekannt und an den Telefonen im Therapiegebäude freigeschaltet.

In den ersten sechs Wochen wird mit jeder Bewohnerin und jedem Bewohner ein ganz persönlicher Notfallplan erstellt. Dieser Plan enthält neben allgemeinen Verhaltensregeln die Bereitschaftsnummer und den Namen und die Telefonnummer einer Person des Vertrauens, an den sich die Betroffene oder der Betroffene in einer für sie/ ihn ausweglosen Krisensituation wenden kann.

Sozialrechtliche Begleitung

Die soziale rechtliche Begleitung findet in Einzelterminen und je nach Bedarf der Person statt. Die Regelung der persönlichen sozial- rechtlichen Anforderungen steht hierbei im Vordergrund. Diese kann je nach Fähigkeiten der Bewohnerin oder des Bewohners verschiedenen Aufwand und Zeit in Anspruch nehmen. Bei anstehenden behördlichen Angelegenheiten werden Hilfen zur Stärkung und Stabilisierung eigener Ressourcen gegeben. Im Rahmen des Realitätstrainings sollen externe Beratungs- und Hilfsangebote genutzt werden.

Im Bedarfsfall erfolgt die Planung und Vermittlung in eine weiterführende Betreuungsform (z.B. Wohnheim, Betreutes Wohnen, ambulante Maßnahmen, Nachsorgevereine). Für einige bestimmte Belange wie z.B. die Auszahlung des Barbetrages sind feste Zeiten eingerichtet.

Schwerpunkte sozialtherapeutischer Assistenzangebote sind:

  • Pflege und Organisation des Kontaktes zu Angehörigen und gerichtlich bestellten Betreuerinnen und Betreuern,
  • Unterstützung bei der Geldeinteilung und bei Einkäufen,
  • Beratung und Unterstützung bei der Geltendmachung von Ansprüchen gegenüber Renten- und Krankenversicherungen, Arbeitsämtern, Sozialämtern, Wohngeldstellen, Versicherungen u.a.m.,
  • Begleitung während eines Krankenhausaufenthaltes,
  • Unterstützung in Justizangelegenheiten, z.B. bei Bedarf Ableisten von Sozialstunden organisieren, bei Fragen oder Fahrten zu Bewährungsauflagen vermitteln u.v.m.,
  • Individuelle Gestaltung persönlicher Fest- und Gedenktage,
  • Unterstützung bei der Wohnungsauflösung, -renovierung und –einrichtung,
  • Unterstützung bei der Suche nach einer Arbeit, Ausbildung, Umschulung oder einer anderweitigen sinnvollen Beschäftigung,
  • Vermittlung von Beratungsangeboten (Sucht-, Schuldner-, Ehe- und Familienberatung o.ä.) und
  • Unterstützung bei der Wohnungssuche.

Mobilitätshilfen und Hilfen im Alltag

Auch in der alltäglichen Mobilität ist oft ein Hilfebedarf vorhanden, sei es durch gesundheitliche Beeinträchtigungen, durch eine oft suchtbedingte geringe Belastungsfähigkeit oder aufgrund von generellen Mobilitätsschwierigkeiten. So wird die Organisation und Durchführung notwendiger Wege etwa zu Ärzten oder Einkäufen des täglichen persönlichen Bedarfs unterstützt und teilweise begleitet.

Die Bewohnerinnen und Bewohner werden bei Ein- und Umzügen unterstützt. Die Aufgabe einer Wohnung oder das Neubeziehen eigenen Wohnraums bedeuten meist einen besonders sensiblen psycho- emotionalen Umbruch. Hinzu kommen die praktischen Herausforderungen und die Tatsache, dass viele Betroffene dies allein bewältigen müssen. Hier werden die Bewohnerinnen und Bewohner nicht allein gelassen.  Die Arbeitsanleiterinnen und -anleiter begleiten und unterstützen dies, hierbei helfen sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinschaft auch häufig gegenseitig.


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9. Arbeitstherapie und sinnvolle Beschäftigung

In den verschiedenen Arbeitsbereichen wird regelmäßiges, planvolles und kreatives Arbeiten unter Anleitung trainiert. Im Laufe der Therapie wird zunehmend Eigenverantwortung von der Bewohnerin und dem Bewohner gefordert. Im persönlichen Therapieplan (Wochenplan) sind konkrete Aktivitäten bestimmten Zeiten zugeordnet und bilden den kontinuierlichen Rahmen der Begleitung. Diese Kontinuität ist gerade in der Begleitung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen wichtig. Daraus erwachsen Sicherheit und Ausdauer.

Wir ergänzen den Begriff der Arbeitstherapie oder Beschäftigungstherapie in unserer Einrichtung mit dem Begriff der sinnvollen Beschäftigung. Denn aus unserer Sicht geht es vor allem um die Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit und nicht nur die Tätigkeit um ihrer selbst willen.

Ein zweiter Grund für die Erweiterung des Begriffes der Arbeitstherapie durch den Zusatz der „sinnvollen Beschäftigung“ ist der relativ hohe Anteil an Bewohnerinnen und Bewohner, denen eine Erwerbsunfähigkeit beschieden wurde und die damit nicht mehr „arbeiten müssen“. Ihr Können bringen sie trotzdem mit ein, ohne unter Druck zu geraten. Es geht nicht darum, dass nur etwas getan wird, sondern darum, dass es die Bewohnerin oder der Bewohner zur eigenen Sache macht. Da die Auswirkungen der meisten Arbeiten unmittelbar im gemeinsamen Leben erfahrbar sind, beispielsweise bei der Essenzubereitung oder der Brennholzbereitstellung, ist auch eine unmittelbare Rückmeldung gewährleistet. Positive Rückmeldungen stärken dabei den Selbstwert und negative Rückmeldungen prüfen die Kritikfähigkeit.

Was die Bewohnerin oder der Bewohner nicht als sinnvoll empfindet, braucht sie/er nicht zu tun. Im Gespräch wird in diesem Fall versucht, die guten Gründe für das Nicht-tun zu entdecken. Die offen gestellten Anfragen im Vertrauen und der grundsätzlichen Anerkennung der Person holt sie in die Verantwortung. Nicht selten entdeckt sie in solchen Situationen von selbst, dass es die eigene Lustlosigkeit war, die sie geleitet hat. Ein gemeinsames Schmunzeln bewirkt in diesen Situationen dann oft genug erstaunliche Wunderleistungen und bewahrt vor übertriebener Gesetzlichkeit und vor Bevormundung. Dies für sich selbst zu erkennen, bedarf eines inneren Wachsens und es soll der Unterschied zwischen sich Rechtfertigen und sich Verantworten erlernt werden.

Wir bieten Möglichkeiten der Arbeitstherapie und der sinnvollen Beschäftigung in unterschiedlichen Bereichen an. Die Bewohnerin und der Bewohner können in der ersten Phase der Therapie die verschiedenen Arbeitsbereiche durchlaufen und wählen die für sie/ihn sinnvollste Möglichkeit aus. Dabei stehen verantwortliche Arbeitsanleiterinnen und -anleiter zur Seite.

Die Zielsetzung der Arbeitstherapie und der sinnvollen Beschäftigung ist:

  • Das Erlernen von Zuverlässigkeit und Disziplin im geregelten Arbeitsablauf.
  • Die Stärkung des Durchhaltevermögens.
  • Die Steigerung von Kooperationsbereitschaft und Konfliktfähigkeit.
  • Die realistische Einschätzung und Aufdecken bzw. Wiederfinden der eigenen Fähigkeiten und wenn möglich die Steigerung der Leistungsfähigkeit durch konkrete Zielsetzungen.
  • Das Wahrnehmen von Erlebnisfähigkeit.
  • Das Entdecken einer Sinnerfüllung durch den materiellen und besonders auch den ideellen Wert der eigenen Arbeit.
  • Die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit.

Folgende Arbeits- und Beschäftigungsbereiche bestehen

Die Anzahl der Personen in einem Bereich variiert. Außerhalb der Gruppen haben Bewohnerinnen und Bewohner im Einzelfall auch eigenverantwortliche Tätigkeiten übernommen und werden hierbei vom verantwortlichen Begleiter unterstützt und hinterfragt.

Garten- und Geländepflege:

Ort: Im Außenbereich der Therapiegebäude und im Garten und Gewächshaus des Mühlengelände

  • Anbau , Pflege und Ernte von Gemüse und Feldfrüchten,
  • Pflege der Streuobstwiese, Obsternte,
  • Einlagerung der Ernte (Kartoffeln, Möhren),
  • Pflege des Kräutergartens,
  • Kreative Gestaltung des Gartens,
  • Pflege und Instandhaltung der Flächen auf dem Mühlengelände und auf dem Therapiegelände,
  • Wartung der Außenanlagen und Geräte,
  • Rasen- und Landschaftspflege,
  • Pflege der Verkehrswege und Gehwege,
  • Pflege der Gartenmöbel­ und
  • Koordinierung der Müllentsorgung.

Holzbereitung und – bearbeitung:

Ort: Im Wald, im Sägewerk, in der Tischlerei, auf dem Therapiegelände

  • Holzwerbung (Baumfällen und transportfähiges Aufarbeiten) für die Holzgasheizanlage im Therapiehaus,
  • Nutzholzbereitstellung für das Sägewerk
  • Holztransport mit Traktor,
  • Holzaufarbeitung und -lagerung zur Trocknung (Spalten und Einstapeln),
  • Bereitstellung von Holz für die Heizung und Bestückung der Heizung,
  • Nutzholzbearbeitung im Sägewerk (Balken und Bretter herstellen) und
  • Anfertigung von Produkten aus dem gefertigten Rohmaterial unter Anleitung (Bau von Gartenmöbeln, Schutzhütten u.ä.).

Service:

Ort: In der Großküche, im Café und in der Verkaufsstelle

Service Großküche:

  • Die Kaltversorgung: Frühstück, Kaffee oder Abendessen vorbereiten,
  • Zuarbeit zum Kochen: Schälen und Putzen von Gemüse u.ä. zum Mittag,
  • Abwaschen, abtrocknen vom Mittagsgeschirr, Küchenreinigung
  • Tische und Stühle im Speiseraum reinigen,
  • Tägliche Bodenreinigung,
  • Unterstützung beim Einkauf der Nahrungs- und Hausmittel.

Im Besonderen bieten wir im Bereich des Service die Möglichkeit, sich wirklichkeitsnah in Form eines Praktikums zu bewähren:

Ort: Café und Verkaufsstelle:

  • Bedienung der Kunden,
  • Annehmen der Bestellungen und Ausgabe der Getränke und kleiner Imbisse,
  • Unterstützung beim Verkauf,
  • Unterstützung bei der Warenannahme und Warenverwaltung,
  • Reinigung des Cafés und Ladens,
  • Unterstützung der Versorgung bei besonderen Anlässen, Feste.

Hauswirtschaft:

  • Reinigung und Pflege der für alle gemeinschaftlich genutzten Räume und Flure und
  • Reinigung der Fenster und Türen.

In den Gemeinschaftsbädern sind wechselnde Baddienste eingeteilt, an denen sich alle Bewohner beteiligen.

Ein bis zwei Bewohner sind in der einrichtungseigenen Fahrradwerkstatt tätig. Sie bietet Kleinreparaturen, Fahrradinstandsetzung und Instandhaltung und die Herausgabe und Annahme der Räder.



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10. Ganzheitliche Angebote

Gab meist das Suchtmittel oder eine Krankheit die Struktur des Alltags vor, haben viele Betroffene es verlernt, ihre Zeit mit anderen Inhalten zu füllen und zufrieden zu gestalten. Interessen oder Gesundheitspflege kamen häufig zu kurz. Auch die kognitiven und physischen Fähigkeiten wurden nicht gefördert und sind dadurch oft verblasst. Ihren Alltag bewusst und sinnvoll zu gestalten und zu genießen, fällt ihnen schwer. Dass sie sich auch anders als nur durch Arbeit ablenken können, soll die bewusste Gestaltung des Alltags und freier Zeit zeigen.

Hierbei sollen Angebote helfen, die sich auf die Kreativität, positive Gemeinschaft oder das körperliche Wohlbefinden beziehen.

Kreativangebote

Bei den Kreativangeboten mit den Materialien Holz, Papier, Farbe, Wolle, Peddigrohr oder Wachs erprobt und erweitert die Bewohnerin oder der Bewohner die manuellen und kognitiven Fertigkeiten.

Dieses Angebot bietet für die Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit, das Sozialverhalten auszuprobieren und für die Anleiterinnen und Anleiter das Sozialverhalten zu beobachten und Veränderungen anzuregen. Hier werden vor allem Kritikfähigkeit, Ausdauer, Konzentration, Merkfähigkeit, Zutrauen in die eigene Fähigkeit und die Frustrationstoleranz verbessert sowie kreative Interessen gefördert. Die Erfahrung, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen und herzustellen, wird in den Rückmeldungen als positiv empfunden dargestellt.  Kreativität als Therapeutikum arbeitet damit an der Gesamtpersönlichkeit mit einem direkten Zugang.

Dieses Angebot richtet sich vor allem auch an Bewohnerinnen und Bewohner, die im Bereich der sinnvollen Beschäftigung nicht einsatzfähig sind, aber es stellt auch ein sinnvolles Freizeitangebot neben der Arbeitstherapie dar.

Kleinholzbearbeitung in unterschiedlichen Facetten in der Tischlerei,

  • Aufbaukeramik und Gegenstände in der Töpferscheibentechnik,
  • Flechtarbeiten mit verschiedenen Materialien,
  • Metallbearbeitung und Emailliertechnik,
  • Arbeiten mit Textilien und Wolle,
  • Mal- und Zeichentechniken und
  • Kreativangebote mit unterschiedlichen Materialien.

Fitness und Sport

Für die langsame Steigerung der Leistungsfähigkeit und zur gezielten Stärkung der Gesundheit und des Körpers besteht das Angebot zu Sport und Fitness. Hierbei begleitet und motiviert ein Anleiter zu einer regelmäßigen körperlichen Betätigung, bis hin zum Aufstellen eigener Sport- und Kraftpläne. So steigt die Belastbarkeit und das Wohlbefinden.

Sinnvolle Freizeitgestaltung und Beziehungsangebote

Die Freizeit in der Wohngruppe ist weniger von zweckrationalen Aspekten bestimmt und kann so freier empfunden werden. Es wird aber auch die Sinnerfüllung bedeutsamer. Die Erfahrungen der Grenzen im täglichen Miteinander und der eigenen Freiheit werden hier konkret und positiv erlebbar.

Im therapeutischen Prozess ist es notwendig, dass sinnvolle Gestaltungsmöglichkeiten von jeder Person selbst herausgefunden werden.

Einige Möglichkeiten der sinnvollen Freizeitgestaltung sind:

  • Teilnahme am Dartspiel, Kartenspiel, an Brett- oder Gesellschaftsspielen,
  • eigenständige Nutzung des Fitnessraums,
  • Erkundung der Umgebung: Radtouren oder Wanderungen durch die Natur
  • Ausflüge in die umliegenden Kleinstädte oder ins Kino anregen und durchführen,
  • Organisieren von Sport- und Spielnachmittagen (Volleyball, Tischtennis, Fitness, Fußball) und Verfolgen von Sportereignissen,
  • Gemeinsamer Besuch der lokalen Fußballspiele,
  • Besuch der örtlichen Begegnungsstätte (Imbiss, Verkaufsladen) und von Dorffesten,
  • Pflege sozialer Kontakte oder Besuch zu/von Angehörigen und
  • Eigenverantwortliches Gestalten von Festen, gemeinsamen Ausflügen und Pflege der Kontakte zu anderen Suchteinrichtungen.

Die Tierbesitzerinnen und -besitzer sorgen eigenverantwortlich für das mitgebrachte Tier. Dazu gehört auch die Planung für die Futterbereitstellung sowie das Organisieren einer Vertretung bei Abwesenheit.

Weitere Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich durch neu entstandene Beziehungen:

  • Neue Kontakte zu den ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern in der Nachbarschaft,
  • Teilnahme an den regelmäßig stattfindenden Selbsthilfegruppen in Hermersdorf und Wriezen sowie an deren Aktionen,
  • Kontaktaufnahme zu Selbsthilfegruppen am eigenen oder am zukünftigen Wohnort,
  • Teilnahme an verschiedenen Kirchengemeindeaktivitäten wie z.B. Gottesdienste, Konzertabende, gemeinsame Feste, Besuch von Hauskreisen,
  • Besuche anderer Einrichtungen und Teilnahme an Jahresfesten,
  • gemeinsame Ausflüge, häufig auch mit ehemaligen Bewohnerinnen aus dem ambulanten Nachsorgebereich,
  • Teilnahme an Volksfesten oder Ausstellungen im Dorf und der Umgebung und
  • Mitarbeit bei Sanierungsmaßnahmen im Ort.

Diese Angebote ermöglichen den Aufbau von Beziehungen über die Einrichtung hinaus, stärken das eigene Selbstbewusstsein und sind ein wichtiger Bestandteil bezüglich der Rolle der Therapieeinrichtung im Gemeinwesen und zur Förderung eines inklusiven Dorfes.

Außerdem wird hier der Ausgrenzung der Person mit ihren speziellen Lebenserfahrungen entgegengewirkt. Durch die häufigen positiven Kontakte werden die möglichen Vorurteile der Bevölkerung und weitere Ausgrenzungsrisiken gegenüber den Therapiebewohnerinnen und -bewohnern abgebaut. Weiterhin wird aber auch deutlich, dass jedes Mitglied der Gesellschaft für die Inklusion von Menschen mit zahlreichen Ausschlussrisiken verantwortlich ist und einen Beitrag leisten kann.

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11. Zusätzliche Angebote

Die Seelsorge und Andacht

In einer ganzheitlich verstandenen Sozialtherapie werden neben der Behandlung sozio-psycho-somatischer Ursachen auch Fragen des Lebenssinnes und des persönlichen Glaubens mit einbezogen.

In einer nach Bedarf stattfindenden wöchentlichen Abendandacht oder Einzelseelsorge gibt es die Möglichkeit, zu Fragen des Glaubens und des Lebens ins Gespräch zu kommen. Es geht nicht um die Übernahme des christlichen Glaubens, sondern um eine bewusste Auseinandersetzung mit der Sinnfrage des eigenen Lebens. Dabei werden kein Unterschied und keine Bewertung der politischen oder weltanschaulichen Einstellung der Bewohnerin oder des Bewohners vorgenommen.

Zentrales Gesprächsthema ist etwa eine zufriedene Nüchternheit, die möglich werden kann durch den Glauben an Gott und das Zeugnis von der Vergebung eigener Schuld. Es kommt zu einer inneren Entlastung als Grundlage für eine dankbare eigenverantwortliche Zukunftsorientierung. Dieses Bewusstsein, geliebt und für Gott und andere Menschen wichtig zu sein, stärkt das Selbstwertgefühl und wirkt aufbauend und als Ausgleich.

Das Nachsorgeangebot

Die sozialtherapeutische Einrichtung des Eichendorfer Mühle Brandenburg e.V. hat eine enge Zusammenarbeit mit dem vereinsinternen Büro der Nachsorge. Entscheiden sich Personen nach der Therapie, sich im Ort oder in der Nähe anzusiedeln, können sie dort Unterstützung und Anbindung finden. Dort können sie die Angebote der Veranstaltungen und der Begegnung und der angeleiteten Selbsthilfe nutzen.

 

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12. Mitarbeiter

Die Grundvoraussetzung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Langzeittherapieeinrichtung ist die Liebe zu den ‚in Not geratenen‘ Menschen. Dieses Verständnis ist geprägt von der biblischen Aussage „Wer liebt, hat Geduld. Er ist gütig und ereifert sich nicht. Wer liebt ist nicht taktlos, selbstsüchtig und reizbar. Wer liebt, gibt niemals jemanden auf. In jeder Lage vertraut und hofft er für ihn“ (Bibel 1.Korinther, 13).

In Anlehnung an Goethe schreibt Frankl, „...dass wir mit dem Blick der Liebe den Anderen nicht nur sehen wie er ist, sondern auch so wie er sein könnte […]. Die Liebe zeichnet sich aus durch ihren Begegnungscharakter, und Begegnung bedeutet allemal, dass es sich um eine Beziehung von Person zu Person handelt(Frankl 1982 S.135). So ist eine therapeutische Begleitung erst auf den Hintergrund einer Beziehung zwischen Begleitern und Bewohnern möglich. Dieses logotherapeutische Verständnis prägt die tägliche Gemeinschaft. Es betont, wie wichtig ein aufrichtiges und respektvolles Auftreten einer jeden Mitarbeiterin und eines jeden Mitarbeiters ist und zu einer gelingenden Therapie betragen kann.

Dieses Wissen um die eigene Ausstrahlung ist eine Chance für die Begleitung von Menschen, die die Sehnsucht nach sinnvollem Leben verspüren, aber nicht wissen, wie diese Sehnsucht gestillt werden kann. Es sollte uns jedoch auch hellhörig machen, um von vorn herein ein Abhängigkeitsverhältnis zu vermeiden. Dort, wo es in der Begleitung notwendig ist und „...unausweichlich scheint, muss solcher Begleitung eine Rückerziehung zur Selbstständigkeit folgen“ (Frankl 1996/2/S. 32). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen demnach versuchen, die verschiedenen Bereiche der Abhängigkeit aufzudecken und helfen, dort die Selbstständigkeit des Bewohners zu fördern.

Das therapeutische Team umfasst Fachpersonal für Suchttherapie, Logotherapie und existenzanalytische Beratung, Sozialarbeit, soziale Betreuung, Seelsorge und Arbeits- und Beschäftigungstherapie. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben langjährige Erfahrungen in der Begleitung von Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung bzw. haben im Rahmen ihrer Ausbildung spezifische suchttherapeutische Kenntnisse erworben. Die Zusatzausbildung zum logotherapeutischen Berater beinhaltet spezielle suchttherapeutische Methoden (u.a. nach Elisabeth Lukas, klinische Psychologin und fachliche Leiterin des Süddeutschen Instituts für Logotherapie). Die suchttherapeutische Ausbildung ruht auf den Grundlagen der Verhaltenstherapie. Weitere einzelne Ausbildungsberufe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden die Grundlage für die Arbeitstherapie im Bereich Holz, Küche, Garten und Hauswirtschaft.

Weitere Kooperationen bestehen zu praktizierenden Allgemeinmedizinern in der Umgebung, zu Suchtberatungsstellen, zur Psychiatrischen Institutsambulanz sowie zu Entgiftungsstationen von Krankenhäusern,  Kliniken der Alkoholentwöhnungsbehandlungen, Justizvollzugsanstalten und Krankenhäusern des Maßregelvollzugs.


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13. Qualitätsmanagement und -sicherung

Die Zusammenarbeit einzelner Bereiche sowie das Eingehen auf aktuelle Ereignisse werden durch Teambesprechungen, die morgendliche Tagesplanung oder durch Informationen im Dienstübergabebuch sichergestellt.

Es gibt eine wöchentliche Teambesprechung, eine monatliche Besprechung im Großteam und bei Bedarf durchgeführte Einzelsupervisionen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Einzel- und Gruppengespräch und Teamsupervisionen, Klausurtagungen für alle am therapeutischen Prozess beteiligten Mitarbeiterinnen sowie interne und externe Weiterbildungen. Sie dienen der Sicherung und der Verbesserung der Arbeitszufriedenheit und damit der Leistungsfähigkeit.

Die Tagesbeschäftigung der Bewohnerinnen und Bewohner wird systematisch dokumentiert. In Hilfebedarfserfassungsbögen wird der entsprechende Unterstützungsbedarf der Bewohnerin oder des Bewohners erstellt und regelmäßig überprüft und wenn nötig, aktualisiert.

Vorhandene Leistungsstandards werden entsprechend neuer Erkenntnisse aus der Praxis und Theorie aktualisiert. Durch die Mitarbeit in einem überregionalen Arbeitskreis der Sozialtherapeutischen Einrichtung im Land Brandenburg bei der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen (BLS) e.V. werden notwendig erscheinende Qualitätsstandards diskutiert und entwickelt.

Das auf Grundlage eigener Erfahrungen und im Austausch mit anderen Nachsorgeeinrichtungen entstandene Dokumentationssystem wird regelmäßig den erforderlich werdenden Bedingungen angepasst. Die Datenerhebung erfolgt mit Hilfe des EBIS-SEDOS Kerndatensatzes, der als Basis für unser EDV-gestütztes Dokumentationssystem „timeline“ dient.

Bei der Erstellung des individuellen Hilfeplans findet die Existenzskala von A. Längle (Testzentrale Göttingen) u.a. Anwendung. Die regelmäßige Hilfebedarfserfassung erfolgt durch mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam. Es erfolgt ein Informationsaustausch mit anderen Suchtkliniken.

Die Erstellung unseres Qualitätsmanagementsystems erfolgt nach DIN- ISO 9001-2000 mit inhaltlicher Anpassung nach TQM. Ziele dieser Maßnahmen sind vor allem die Ressourcenbündelung und das Erreichen einer optimalen Innen- und Außenwirkung der Einrichtung.

In folgenden Gremien sind wir im Besonderen tätig:

  • Verband Evangelischer Behindertenarbeit im Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg Schlesische Oberlausitz e.V. (VEBA),
  • Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft für Suchtkrankenhilfe im Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg e.V. (ELAS),
  • Arbeitskreis Sucht im Landkreis Märkisch-Oderland,
  • Arbeitskreis der Sozialtherapeutische Einrichtungen in Brandenburg bei der Brandenburger Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V. (BLS) und
  • Sucht-Selbsthilfeverbände (Blaukreuz, Suchtgefährdetendienst Brandenburg).

 

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Anlage zur Begleitung an der Eichendorfer Mühle aus logotherapeutischer Sicht

In dieser Fassung wurde bewusst versucht, soweit es geht, auf die Verwendung von Fremdwörtern zu verzichten. Überall wo das Wort "Begleitung" steht, kann auch "Therapie" gelesen werden. Die Therapie ist in unserer Einrichtung ein Begleiten und ein ständiges In-Frage-Stellen der Bewohnerin oder des Bewohners. Im Antworten lernt sie/ er so, das eigene Leben zu verantworten. Die Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner an der Eichendorfer Mühle beruht auf der Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl. Logotherapie stellt eine sinnzentrierte Begleitung dar. Die wesentliche Motivation des Menschen ist nach Frankl der Wille zum Sinn und nicht der Wille zur Lust (Freud) oder der Wille zur Macht (Adler). Unsere Begleitung zielt darauf, dass die Bewohnerin oder der Bewohner die Fähigkeit erwirbt, in ihrem/ seinem Leben erneut, oder auch erstmals, einen Wert und einen Sinn zu sehen. Wir gehen davon aus, dass der Abhängigkeit in vielen Fällen das von Frankl beschriebene existenzielle Vakuum zugrunde liegt. Dieses Vakuum zeigt sich in einem Sinnmangel der bis zur Sinnleere führen kann. Die Werte des Lebens werden oft nicht mehr gespürt. Jeder Augenblick des Lebens trägt Sinn in sich und ist deshalb wertvoll. (nach Frankl)

Er unterscheidet drei Wertegruppen:

Schöpferische Werte, Erlebniswerte und Einstellungswerte. In jeder Situation kann zumindest einer dieser Werte gelebt werden. Sinnvoll leben heißt: Im Hier und Jetzt, die beste Möglichkeit zu erkennen und zu ergreifen.

Am Anfang des Suchtmittelmissbrauchs stehen oft Bedürfnisse nach Geborgenheit, Anerkennung, Gemeinschaft und die Sehnsucht nach einem Ziel, für das es sich zu leben lohnt. Durch Suchtmittel wird die Erfüllung dieser Bedürfnisse vorgetäuscht. Diese Täuschung führt letztlich in die totale Abhängigkeit. Zu den suchtfördernden Haltungen gehören ebenso das Verharren in Wunschhaltungen oder der Versuch, Leid um jeden Preis zu vermeiden.

Die Begleitung in unserer Einrichtung zielt auch auf eine aktive Auseinandersetzung mit Leidvollem und deren Einbettung in die eigene Lebensgeschichte. Zudem was nicht geändert werden kann, kann der Mensch immerhin noch seine Einstellung ändern.

Nicht, "Was erwarte ich vom Leben?", sondern "Was erwartet das Leben von mir?", ist die entscheidende Lebensfrage. Mit der Beantwortung dieser Frage wird der Weg in ein verantwortliches Leben betreten.

Diese Freiheit, die sich ein Mensch nimmt, bedarf als Ausgleich der Verantwortung. „Freiheit schlägt in Willkür um und artet aus, wenn sie nicht von Verantwortung ergänzt wird.“(Frankl 1996/S.17)

Sich den Lebensfragen zu stellen heißt, die Flucht vor dem Leben und die Suche nach dem Glück zu beenden und sich dem Hier und Jetzt zu stellen. Logotherapeutisch wird diese Einstellungsänderung als kopernikanische Wende bezeichnet.

Sie ist eine Voraussetzung für das Erreichen einer zufriedenen Abstinenz und zur Umsetzung von Sinn im eigenen Leben.

Empfindet die Bewohnerin oder der Bewohner ihr/ sein Leben als sinnvoll und kann es auch täglich in kleinen Einheiten verantwortlich leben, ist ein entscheidender Schritt in Richtung auf ein dauerhaft suchtmittelfreies Leben getan.

Wichtige Schritte aus der Abhängigkeit heraus bestehen darin, den negativen körperlichen und sozialen Folgen der Sucht Lebenswertes entgegen zusetzten.

Die Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben und für bestimmte Bereiche der Wohngruppe bzw. im näheren sozialen Umfeld ist wesentlicher Bestandteil der Begleitung.

Durch die gegebenen Rahmenbedingungen vor Ort wird die Unberechenbarkeit des Lebens erfahrbar und die Einzelne wird ständig genötigt, auf die gestellten Lebensfragen zu antworten, ihr Leben zu ver-antworten.


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